Bauernverband spricht Klartext wegen 99-Cent-Butter: „Preisdumping gefährdet Milchproduktion in Deutschland“

14. Dezember 2025

Von: Moritz Serif

Bauernpräsident Günter Felßner.
Bauernpräsident Günter Felßner @BBV.

Supermärkte und Discounter haben den Butterpreis auf 0,99 Euro gesenkt. Der bayerische Bauernverband (BBV) hat deshalb das Bundeskartellamt eingeschaltet.

Der Vorwurf: Lebensmittel würden verramscht, um Verbraucherinnen und Verbraucher in die Märkte zu locken.

Butter für 99 Cent: Bayerische Bauernverband fordert Überprüfung durch Bundeskartellamt

Gegenüber supermarkt-nachrichten.de findet der Verband deutliche Worte und spricht Aldi, Lidl und Co. eine „Geiz ist Geil“-Mentalität zu.

„Der Lebensmittelhandel ist kein verlässlicher Partner mehr“, so das knallharte Fazit des BBV.

Mehr noch: Die „Preisdumpingpolitik gefährdet die langfristige Stabilität der Milchproduktion in Deutschland“.

„Wir sehen einen Butterpreis von 0,99 Euro als deutlich zu niedrig an“

supermarkt-nachrichten.de: Wie bewerten Sie die aktuellen Butterpreise von 0,99 Euro im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage der Milchbetriebe – insbesondere im Vergleich zu den deutlich höheren Produktionskosten?

Bayerischer Bauernverband: Wir sehen einen Butterpreis von 0,99 € als deutlich zu niedrig an, vor allem macht es für uns den Anschein eines gesetzeswidrigen Verkaufs unter Einstandspreis.

Ein solcher Verkauf unter Einstandspreis ist im §20, Absatz 3 des Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen aus gutem Grund verboten. Verkäufe unter Einstandspreis drängen schwächere Konkurrenten und Lieferanten aus dem Markt.

In Folge einer Marktbereinigung könnten dann höhere Margen durchgesetzt werden. Marktbereinigung führt zu einer Konzentration auf weniger Wettbewerber – ein Problem, das zuletzt im Sondergutachten der Monopolkommission zur Lebensmittellieferkette vom 21. November 2025 deutlich angesprochen wurde.

Butter im Supermarkt
Für Verbraucher ein Segen, für Bauern ein Fluch: Billigpreise bei Butter (Symbolfoto/Nano Banana Pro).

Butter unter 99 Cent: „Verbotener Verkauf unter Einstandspreis“?

Was erwarten Sie konkret vom Bundeskartellamt?

BBV: Wir haben das Bundeskartellamt gebeten, die Preisgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel bei der 250g Packung Butter von Ende September und Anfang Dezember zu untersuchen.

Für uns weckt der Vergleich der Einkaufspreise der Notierung an der Süddeutschen Butter- und Käsebörse mit den Verkaufspreisen des Lebensmitteleinzelhandels den Verdacht auf einen verbotenen Verkauf unter Einstandspreis.

Bayerischer Bauernverband will, „dass Verramschen von Lebensmitteln als Lockmittel verhindert wird“

Welche Konsequenzen wären aus Ihrer Sicht angemessen, falls ein Verkauf unter Einstandspreis bestätigt wird?

BBV: Welche rechtlichen Konsequenzen aus einem möglichen Gesetzesverstoß entstehen könnten, ist Sache des Bundeskartellamtes und eventuell von Gerichten. Wir erhoffen uns von der Untersuchung, dass die Kalkulation des Lebensmittelhandels offengelegt wird und dass das Verramschen von Lebensmitteln als Lockmittel verhindert wird.

Die Untersuchung würde möglicherweise auch zeigen, dass bei Billigstpreisen und dem Anheizen einer „Geiz ist Geil“ Mentalität letztlich Landwirte, Produzenten und Verbraucher draufzahlen. Genau diese Bewertung traf ebenfalls die Monopolkommission im Sondergutachten.

Milch im Kühler
Aus Milch entsteht Butter (Symbolfoto/Krea AI/Flux).

„Der Lebensmittelhandel ist kein verlässlicher Partner mehr“

Welche Auswirkungen haben die Preisstrategien der Handelsketten aus Ihrer Sicht auf regionale Wertschöpfung?

BBV: Dieses Preisdumping führt schon jetzt zur Verunsicherung in der gesamten Landwirtschaft. In den vergangenen Jahren investierten viele Betriebe in Tierhaltung und Pflanzenbau in höhere Produktionsstandards, die vor allem vom Lebensmittelhandel vehement gefordert wurden. Jetzt stellen unsere Höfe fest, dass der Lebensmittelhandel kein verlässlicher Partner mehr ist.

Wie sieht es mit dem Tierwohl aus?

BBV: Auf eine „Geiz ist Geil“ Mentalität hin lassen sich keine Zukunftsinvestitionen finanzieren, die auf höhere Standards setzen. Für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Betriebe, hin zu immer mehr Tierwohl und nachhaltiger Produktion, sind klare verlässliche Rahmenbedingungen und Ziele, auch im Lebensmitteleinzelhandel nötig.

„Preisdumpingpolitik gefährdet langfristige Stabilität der Lebensmittelproduktion“

Und wie wirkt sich das auf die langfristige Stabilität der Milchproduktion in Deutschland aus?

Mit einer Preisdumpingpolitik lassen sich diese Erlöse für Produktion in höheren Standards nicht erwirtschaften und gefährden die langfristige Stabilität der Lebensmittelproduktion, aktuell vor allem der Milchproduktion in Deutschland.

Wie reagiert der Handel im Butterstreit?

supermarkt-nachrichten.de hat Supermärkte und Discounter angefragt. Lidl sagteuns, dass es ein Überangebot an Rohmilch gebe und das den Butterpreis drücke.

Verwendete Quellen