Bauernverband widerspricht Lidl: „Butterpreissenkungen in derartiger Höhe nicht gerechtfertigt“

16. Dezember 2025

Von: Moritz Serif

Butter für 99 Cent im Supermarkt
Der Bayerische Bauernverband hält die Butterpreise für zu niedrig (Symbolfoto/Nano Banana Pro).

Update vom Dienstag, 16. Januar, 15.22 Uhr: Nachdem der Bayerische Bauernverband das Bundeskartellamt eingeschaltet hat, um den Butterpreis von 99 Cent zu untersuchen, hatten Landwirte vor der Firmenzentrale Lidls protestiert.

Lidl erklärte, dass die Preissenkungen bei Butter notwendig seien. Grund sei ein Überangebot an Rohmilch auf dem Markt.

Butter für 99 Cent: Bayerischer Bauernverband widerspricht Lidl

Nun meldet sich wiederum der Bayerische Bauernverband zu Wort. supermarkt-nachrichten.de wollte wissen, was der Verband von der Argumentation von dem Discounter hält.

„Der Bayerische Bauernverband hält die Butterpreissenkungen in derartiger Höhe im Vergleich mit den amtlichen Notierungen der Süddeutschen Butter- und Käsebörse nicht durch die Marktlage gerechtfertigt. Eben deshalb haben wir das Bundeskartellamt gebeten, die Preisgestaltung zu untersuchen, um ungerechtfertigte Preissenkungsspiralen zu verhindern“, ließ uns eine Sprecherin des Verbandes mitteilen.

Erstmeldung vom Montag, 15. Januar: Lidl nimmt Stellung zu den Vorwürfen der Bauern

Die Diskussionen um die 99-Cent-Butter nehmen weiter Fahrt auf.

Jetzt äußert sich Lidl gegenüber supermarkt-nachrichten.de, nachdem Bauern vor der Lidl-Zentrale protestierten und der Bayerische Bauernverband sagte, dass der Handel Lebensmittel verramschen würde.

Butter für 99-Cent: Lidl äußert sich zu Vorwürfen der Bauern

Lidl erklärt: „Wir haben Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Die aktuelle Preissenkung bei Butter ist eine notwendige Reaktion auf die derzeitige Ausnahmesituation am Rohstoffmarkt Milch“.

Seit September habe man ein deutliches Überangebot an Rohmilch im Vergleich zum Vorjahresniveau. Wenn diese Mengen nicht weiter abfließen, drohe „möglicherweise ein noch stärkerer Preisverfall, wie er am Spotmarkt bereits sichtbar ist.“

Lidl: Müssen Butterpreise wegen Überangebot senken

Lidl sei nur ein Abnehmer von vielen und habe keine andere Wahl.

„Die Lage der Landwirte ist somit maßgeblich von den Weltmarktpreisen abhängig, die dieses Jahr deutlich unter dem Vorjahr liegen. Die Ursachen der angespannten Marktsituation liegen daher nicht beim Lebensmitteleinzelhandel, sondern sind im aktuellen Überangebot begründet“.

„Um dazu beizutragen, den derzeitigen “Mengenstau” aufzulösen, haben wir den Butterpreis gesenkt, um so beim Kunden vermehrte Anreize zum Kauf von Butter zu setzen“.

Aktuelles Bild: Butter im Supermarkt
Butter gibt es aktuell zum Sonderangebot für 99 Cent (Symbolfoto/Nano Banana Pro).

Lidl: Halten uns an Kartellrecht

Dadurch habe man eine erhöhte Nachfrage nach Butter erzielt und einen Teil des Überangebots reduziert. Außerdem halte man sich an das bestehende Kartellrecht.

Lidl bezieht sich in seiner Argumentation darauf, dass der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) nicht zu den Bauernprotesten kam.

Das sind die Forderungen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter

Der BDM vertritt folgende Positionen:

  1. Die Ursachen der Milchkrise liegen nicht beim LEH – sondern in den Übermengen
  2.  Die Proteste beim Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verschieben den Fokus auf Schuldfragen – nicht auf Lösungen
  3. Der „Umweg über den LEH“ schwächt den Druck auf die Politik.
  4. Eine Lösung ist politisch bereits vorhanden – und sofort umsetzbar.

Der Bundesverband schlägt einen sogenannten „Freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung“ vor. Das Werkzeug habe sich bereits in der Milchkrise 2016 bewiesen.

Die Finanzierung erfolgt demnach aus dem EU-Krisenfonds.

Wie reagieren weitere Supermärkte auf die Vorwürfe im Butter-Streit?

Rewe teilte uns mit: Wir beobachten die aktuelle Preisspirale in einzelnen Produktkategorien mit großer Sorge. Auch wir passen unsere Preise an, um wettbewerbsfähig zu bleiben und unseren Kundinnen und Kunden weiterhin attraktive Angebote zu machen“.

Gleichzeitig stelle der anhaltende Kostendruck die gesamte Wertschöpfungskette vor große Herausforderungen – insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe.

Man befinde sich im Austausch mit der Landwirtschaft und nehme das Anliegen sehr ernst.

Was wollte supermarkt-nachrichten.de von den Märkten wissen?

Folgendes wollte supermarkt-nachrichten.de von Handelsketten in Deutschland wissen:

  1. Der Bayerische Bauernverband kritisiert, dass Butter zu Preisen von 0,99 Euro „verramscht“ werde, um Kundinnen und Kunden in die Märkte zu locken, und spricht in diesem Zusammenhang von einer „Geiz-ist-geil“-Mentalität.

    Wie bewerten Sie diesen Vorwurf?
  2. Der Verband warnt, dass Dumpingpreise die langfristige Stabilität der Milchproduktion und damit die Milchversorgung in Deutschland gefährden könnten.

    Wie schätzen Sie die Auswirkungen Ihrer Preispolitik auf die wirtschaftliche Lage der Milchbetriebe und die Versorgungssicherheit ein?
  3. Der Bayerische Bauernverband erklärt, der Lebensmitteleinzelhandel sei in diesem Zusammenhang kein verlässlicher Partner mehr für Landwirte und Milchproduzenten.

    Wie bewerten Sie Ihre Zusammenarbeit mit den Erzeugern – und sehen Sie sich weiterhin als verlässlichen Partner der Landwirtschaft?
  4. Der Bayerische Bauernverband hat das Bundeskartellamt um eine Überprüfung der Preisgestaltung bei Butter gebeten.

    Wie stehen Sie zu dieser Prüfung?

Verwendete Quellen

  • Antworten von Lidl und Rewe auf Presseanfrage