Rund um die Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen im Kreis Heilbronn hat eine Bauern-Demonstration am Montag für Verkehrsbehinderungen gesorgt. Der Verein „Land schafft Verbindung BW“ (LSV) hatte zu der Aktion aufgerufen, um gegen die Preispolitik des Discounters zu protestieren.
Nach Angaben der Polizei kamen rund 150 Landwirte mit ihren Traktoren, viele von ihnen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Zufahrten rund um das Firmengelände mussten zeitweise gesperrt werden. Größere Zwischenfälle blieben laut Einsatzkräften aus.
Warum protestieren die Bauern bei Lidl in Bad Wimpfen?
Die Landwirte werfen dem Discounter vor, Milch- und Butter zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Der aktuelle Verkaufspreis von 99 Cent pro 250-Gramm-Packung Butter sei ruinös, heißt es von den Demonstrierenden. Viele Betriebe könnten so nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.
Der Verein LSV hat eine Kundgebung mit Mahnwache bis Dienstagabend angemeldet. Vertreter sprechen von einem dauerhaften Problem: Lebensmittel würden häufig unter Produktionskosten verkauft. Das untergrabe die Existenzgrundlage vieler bäuerlicher Betriebe.
Wie reagiert Lidl auf die Vorwürfe?
Lidl weist die Kritik zurück und verweist auf eine Ausnahmesituation auf dem Weltmarkt. Nach Unternehmensangaben gebe es derzeit ein Überangebot an Rohmilch, teilte Lidl supermarkt-nachrichten.de mit. Das habe zu niedrigeren Einkaufspreisen geführt, die an die Verbraucher weitergegeben würden.
Wer steckt hinter dem Protest?
Organisiert wurde die Demonstration vom Verein „Land schafft Verbindung BW“. Der Zusammenschluss versteht sich als basisnahe Bewegung und arbeitet unabhängig von klassischen Bauernverbänden. Diese betonen, über die Aktion informiert gewesen zu sein, sie jedoch nicht selbst unterstützt zu haben.
Teilgenommen haben neben Milchbauern auch Winzer und Zuckerrübenanbauer. Sie fordern, dass regionale Erzeuger stärker gefördert werden, wenn Unternehmer wie Dieter Schwarz die Stadt Heilbronn finanziell unterstützen.
Welche weiteren Aktionen sind geplant?
Die Demonstration in Bad Wimpfen ist Teil einer breiteren Welle landwirtschaftlicher Proteste. Für Donnerstag wurde eine weitere Großkundgebung in Brüssel angekündigt, an der auch Delegationen aus Süddeutschland teilnehmen wollen.
Die Aktionen richten sich gegen niedrige Agrarpreise, steigende Betriebskosten und gestiegene Umweltauflagen. Eine direkte Verbindung zwischen den Protesten in Deutschland und Brüssel gibt es laut Organisatoren aber nicht.
Was ist der Hintergrund beim Butter-Streit?
Der Bayerische Bauernverband hatte wegen der „Dumping-Preise“ das Bundeskartellamt eingeschaltet. Tenor der Kritik ist: Discounter befeuerten eine „Geiz-ist-Geil“-Mentalität. Auch gefährdeten diese Preise die Milchproduktion in Deutschland.
Verwendete Quellen
- SWR
