Eine Zwei-Liter-Flasche Coca-Cola würde nach dem Steuermodell des Finanzministeriums 3,09 Euro kosten statt 2,19 Euro. Der Sixpack Eigenmarken-Cola springt von 3,90 auf 7,33 Euro.
supermarkt-nachrichten.de hat den Getränke-Wocheneinkauf einer vierköpfigen Familie durchgerechnet: 5,94 Euro mehr pro Woche, 309 Euro mehr im Jahr. Eine Analyse.
Was kostet die Zuckersteuer je Flasche wirklich?
Die Eckpunkte aus dem Bundesfinanzministerium sehen drei Stufen vor: 26 Cent je Liter ab 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, 32 Cent ab mehr als 7 Gramm, 38 Cent ab mehr als 10 Gramm. Unter 4,5 Gramm bleibt ein Getränk steuerfrei.
Die Abgabe greift beim Hersteller. Auf den Endpreis im Regal kommt deshalb noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent obendrauf.
supermarkt-nachrichten.de hat nachgerechnet: Zuckergehalt laut Herstellerangabe, Preis laut aktueller Preismeldung für REWE, Steuersatz laut Eckpunktepapier, plus 19 Prozent Mehrwertsteuer auf die Abgabe. Unterstellt ist die vollständige Weitergabe an den Verbraucher.
Im Warenkorb stecken sechs Getränke, wie sie in einem Haushalt mit zwei Kindern pro Woche zusammenkommen. Alle Gebinde sind in der Größe erfasst, in der sie im Regal stehen, vom Zwei-Liter-Kasten bis zur einzelnen Energydrink-Dose.
Die linke Preisspalte zeigt den heutigen Stand. Die rechte zeigt, was dasselbe Gebinde kostet, wenn Abgabe und Mehrwertsteuer vollständig im Regalpreis landen.
Getränke-Warenkorb einer vierköpfigen Familie, Preisstand 2. September 2026
| Produkt | Zucker je 100 ml | Steuer je Liter | Preis heute | Preis mit Zuckersteuer | Aufschlag |
|---|---|---|---|---|---|
| Coca-Cola Classic (2 l) | 10,6 g | 38 Cent | 2,19 € | 3,09 € | +41,3 % |
| Fanta Orange (2 l) | 7,6 g | 32 Cent | 2,19 € | 2,95 € | +34,8 % |
| Pfanner Ice Tea Pfirsich (2 l) | 6,2 g | 26 Cent | 1,99 € | 2,61 € | +31,1 % |
| Capri-Sun Orange (10 x 0,2 l) | 7,9 g | 32 Cent | 3,29 € | 4,05 € | +23,1 % |
| Red Bull (0,25 l) | 11,0 g | 38 Cent | 1,89 € | 2,00 € | +6,0 % |
| ja! Apfelschorle (6 x 1,5 l) | 5,9 g | 26 Cent | 6,54 € | 9,32 € | +42,6 % |
| Warenkorb gesamt | 18,09 € | 24,03 € | +32,9 % |
Der Warenkorb entspricht gut 4,3 Litern pro Person und Woche. Das sind rund 0,6 Liter am Tag.
Von den 5,94 Euro Aufschlag sind 95 Cent reine Mehrwertsteuer. Der Staat besteuert also seine eigene Abgabe mit.
Warum trifft die Apfelschorle härter als die Cola?
Die Cola liegt in der höchsten Steuerstufe, die Apfelschorle in der niedrigsten. Trotzdem steigt der Preis der Schorle prozentual stärker.
Der Grund ist der niedrige Ausgangspreis. Die Eigenmarken-Schorle kostet 73 Cent je Liter, die Steuer schlägt brutto mit 31 Cent zu Buche.
Das Ergebnis: plus 42,6 Prozent beim Sixpack Apfelschorle, plus 41,3 Prozent bei der Markencola. Je niedriger der Preis heute, desto härter schlägt derselbe Aufschlag prozentual durch.
Genau diese Kategorie ist politisch umstritten. Reiner Apfelsaft soll steuerfrei bleiben, die verdünnte Schorle nach den Eckpunkten aber besteuert werden.
Wie hart trifft es die Eigenmarken?
Die Steuer kennt keine Marken. Sie kennt nur Zucker je 100 Milliliter.
Damit trifft sie ausgerechnet die günstigsten Produkte am härtesten. Der Sixpack ja! Cola von REWE kostet 3,90 Euro und enthält 8,7 Gramm Zucker je 100 Milliliter.
supermarkt-nachrichten.de hat nachgerechnet: 32 Cent Steuer je Liter ergeben 2,88 Euro für die neun Liter, mit Mehrwertsteuer 3,43 Euro. Neuer Preis: 7,33 Euro statt 3,90 Euro, ein Plus von 88 Prozent.
Die Markencola verteuert sich dagegen nur um 41 Prozent. Wer heute zur Eigenmarke greift, um zu sparen, verliert einen guten Teil dieses Vorsprungs.
Der Abstand in Cent bleibt gleich, der Spareffekt schrumpft. Heute ist die Eigenmarken-Cola je Liter 60 Prozent günstiger als Coca-Cola, nach der Steuer nur noch 47 Prozent.
Dabei liegt die Eigenmarke nur 1,7 Gramm über der nächstniedrigeren Schwelle. Bei 6,9 statt 8,7 Gramm Zucker wären 54 Cent weniger Abgabe fällig, mit Mehrwertsteuer rund 64 Cent weniger im Regal.
Warum entscheiden 0,7 Gramm über 14 Cent?
Coca-Cola Classic enthält 10,6 Gramm Zucker je 100 Milliliter. Die oberste Steuerstufe beginnt bei 10 Gramm.
supermarkt-nachrichten.de hat nachgerechnet: Würde der Hersteller auf 9,9 Gramm reformulieren, fiele die Flasche in die 32-Cent-Stufe. Ersparnis: 12 Cent Abgabe, mit Mehrwertsteuer 14 Cent je Zwei-Liter-Flasche.
Bei Fanta Orange ist der Abstand noch knapper. 7,6 Gramm bedeuten 32 Cent, 6,9 Gramm bedeuten 26 Cent.
Dass das geht, zeigt der europäische Vergleich. In Kroatien und Slowenien enthält dieselbe Marke Fanta Orange laut Statista-Auswertung nur 3,8 Gramm Zucker je 100 Milliliter.
Mit dem kroatischen Rezept wäre die deutsche Fanta komplett steuerfrei. Der Aufschlag von 76 Cent je Zwei-Liter-Flasche würde entfallen.
Was ist überhaupt beschlossen?
Bislang nichts. Das Papier aus dem Finanzministerium ist ein Eckpunktepapier, kein Gesetzentwurf.
Der Kabinettsbeschluss von Ende April 2026 sah einen Start zum 1. Januar 2028 vor. Im Sommer wurde geprüft, die Abgabe auf 2027 vorzuziehen, das August-Papier enthält die Eckpunkte dafür.
Finanzminister Lars Klingbeil hat diesen Arbeitsstand danach selbst relativiert: weder eine geeinte politische Position noch ein Koalitionsbeschluss. Ein Starttermin steht damit nicht fest.
Umstritten ist vor allem der Umfang. Klingbeil hat eine Steuer auf zuckerfreie Getränke inzwischen ausgeschlossen, das Landwirtschaftsministerium spricht sich gegen die Ausweitung auf Schorlen, Milchmischgetränke und Pflanzendrinks aus.
Der Bund kalkuliert im ersten Jahr mit rund 650 Millionen Euro Einnahmen.
Was kommt auf Verbraucher zu?
Die Rechnung oben unterstellt, dass die Hersteller die Abgabe vollständig weitergeben. Genau das ist der Kern des Modells: Die Steuer soll wehtun, damit Rezepturen sich ändern.
Für Verbraucher gibt es deshalb zwei mögliche Ausgänge. Entweder das Regal wird teurer, oder die Getränke werden leiser süßer.
Dass beides möglich ist, zeigt der europäische Vergleich. Coca-Cola setzt bei Fanta je nach Land unterschiedliche Rezepturen ein, von 3,8 Gramm in Kroatien bis 7,6 Gramm in Deutschland.
Die Bundesregierung selbst verweist auf Großbritannien. Dort hat die Abgabe beim Hersteller die Rezepturen verändert, nicht nur die Preise.
Bleibt alles beim heutigen Zuckergehalt und geben die Hersteller die Abgabe vollständig weiter, zahlt die Familie aus der Beispielrechnung 309 Euro mehr im Jahr.
Verwendete Quellen
- Eigene Berechnung supermarkt-nachrichten.de: Steuersätze laut Eckpunktepapier, Zuckergehalt laut Herstellerangabe, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer, Stand 2. September 2026
- Preisbasis: Preismeldungen für REWE bei SupermarktCheck, abgerufen am 2. September 2026
- Nährwertangaben der Hersteller im REWE Online-Shop (Coca-Cola, Fanta Orange, Capri-Sun, Pfanner Ice Tea, Red Bull, ja! Cola, ja! Apfelschorle)
- taz und Stuttgarter Zeitung zu den Eckpunkten des Bundesfinanzministeriums, 25. August 2026
- ZDFheute zur Absage an eine Steuer auf zuckerfreie Getränke
- Deutscher Bundestag, hib-Meldung zur Antwort der Bundesregierung, 16. Juni 2026
- Statista, Zuckergehalt von Fanta Orange in Europa, 12. Februar 2026
- Verbraucherzentrale Hamburg, Übersicht zur geplanten Zuckersteuer
