Wer heute durch die Gänge eines Supermarkts schlendert, nimmt kaum wahr, wie sich der Einkauf verändert hat.
Vor nicht allzu langer Zeit war das Einkaufen ein vollkommen anderes Erlebnis.
Der Kunde betrat einen kleinen Laden, nannte seine Wünsche, und der Verkäufer holte die Waren hinter der Theke hervor.
Selbstbedienung? Undenkbar.
Einkaufswagen? Nicht existent.
Wie hat sich die Supermarkt-Geschichte entwickelt?
Das Konzept des Supermarkts entstand nicht über Nacht, sondern entwickelte sich als Antwort auf veränderte Lebensumstände und wirtschaftliche Notwendigkeiten.
Die Idee, Kunden selbst auswählen zu lassen und dabei Kosten zu sparen, revolutionierte den Einzelhandel grundlegend.
Was waren die ersten Supermärkte?
Als Geburtsstunde des modernen Supermarkts gilt die Eröffnung des „King Kullen“ durch Michael Cullen am 4. August 1930 in Queens, New York.
Cullen brach mit allen damaligen Konventionen: Er eröffnete seinen Laden in einer ehemaligen Garage am Stadtrand, wo die Mieten niedrig waren, und bot Waren zu deutlich günstigeren Preisen an als die etablierten Lebensmittelgeschäfte.
Wann galt damals ein Geschäft als Supermarkt?
Das von Fachleuten herangezogene Kriterienbündel umfasst fünf Merkmale: separate Abteilungen, Selbstbedienung, Discountpreise, Kettenbetrieb und Massengeschäft.
Der Slogan „Pile it high, sell it low“ (Türme es hoch auf, verkaufe es billig) wurde zum Erfolgsrezept. Bis 1936 wuchs King Kullen auf 17 Märkte und erzielte rund 6 Mio. US-$ Jahresumsatz.
Kullen erzielte einen Jahresumsatz von 6 Millionen Dollar – eine enorme Summe während der Großen Depression.
Die Selbstbedienung: Wendepunkt im Einzelhandel
Die Selbstbedienung markierte den entscheidenden Bruch mit dem traditionellen Einzelhandel.
Statt Waren auf Anfrage vom Verkäufer zu erhalten, konnten Kunden nun selbst durch die Regale streifen und Produkte in ihren Einkaufskorb legen.
Diese Neuerung veränderte nicht nur das Einkaufserlebnis, sondern ermöglichte auch erhebliche Kosteneinsparungen.
Bereits 1916 führte Piggly Wiggly in Memphis das Selbstbedienungsprinzip ein; das Unternehmen sicherte das Konzept patentrechtlich ab. Die Kunden wählten ihre Waren selbst aus und zahlten erst am Ausgang.
Der Durchbruch und die Wirtschaftskrise
Saunders ließ sich dieses System sogar patentieren. Der Durchbruch kam jedoch erst mit der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre.
- Weniger Personal nötig (ein Kassierer statt mehrerer Verkäufer).
- Größere Verkaufsflächen mit mehr Produkten möglich.
- Kunden konnten Waren direkt sehen und vergleichen.
- Höhere Impulskäufe durch direkten Kontakt mit Produkten.
Wie ist die Geschichte der Supermärkte in Deutschland?
In Deutschland verlief die Entwicklung zum Supermarkt langsamer als in den USA.
Welcher Supermarkt in Deutschland war der Erste?
1949 eröffnete in Hamburg (Konsumgenossenschaft Produktion/PRO) der erste Selbstbedienungsladen in Deutschland.
Herbert Eklöh eröffnete den ersten „Selbstbedienungs-Supermarkt“
Der erste echte Supermarkt nach amerikanischem Vorbild folgte jedoch erst 1957, als Herbert Eklöh in Köln den „Selbstbedienungs-Supermarkt“ mit einer Verkaufsfläche von 2.000 Quadratmetern eröffnete.
Eklöh hatte das Konzept während einer USA-Reise kennengelernt und war überzeugt, dass es auch in Deutschland funktionieren würde.
Sein Supermarkt bot eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Vielfalt: 10.000 verschiedene Artikel, darunter Frischfleisch, Obst, Gemüse und sogar Non-Food-Artikel.
Das Selbstbedienungsformat war für viele Kunden zunächst ungewohnt, setzte sich aber wegen niedrigerer Preise und größerer Auswahl zügig durch.
Von Tante-Emma-Läden zu Supermärkten: Der Wandel des deutschen Einzelhandels
Der Übergang von den traditionellen Tante-Emma-Läden zu Supermärkten vollzog sich in Deutschland nicht abrupt, sondern über mehrere Jahrzehnte.
In den 1950er Jahren prägten noch etwa 150.000 kleine Lebensmittelgeschäfte das Stadtbild.
Dort gab es persönlichen Service, Beratung und sogar die Möglichkeit, als Stammkunde auf Kredit einzukaufen.
Mit dem steigenden Wohlstand änderten sich die Ansprüche
Mit dem Wirtschaftswunder und steigendem Wohlstand änderten sich die Ansprüche der Verbraucher.
Mehr Auswahl, niedrigere Preise und bequemeres Einkaufen wurden wichtiger als der persönliche Kontakt zum Händler.
Die Tante-Emma-Läden gerieten zunehmend unter Druck:
- 1960er Jahre: Große Handelsverbünde wie Edeka und Rewe stellten verstärkt auf Supermarkt- und Selbstbedienungsformate um
- 1970er Jahre: Discounter wie Aldi expandieren stark
- 1980er Jahre: Zahl der Tante-Emma-Läden sinkt deutlich
- 1990er Jahre: Expansion in die neuen Bundesländer
Was haben Discounter verändert?
Die deutsche Einzelhandelslandschaft wurde ab den 1960er Jahren durch eine weitere Neuerung geprägt: dem Discounter.
1962 eröffnete in Dortmund die erste Filiale unter dem Namen ALDI – nach der Aufteilung in Aldi Nord/Süd (1961) – und leitete die Discount-Expansion ein.
Während klassische Supermärkte wie Edeka oder Rewe auf ein breites Sortiment mit vielen Markenartikeln setzen, konzentrieren sich Discounter auf ein begrenztes Angebot zu niedrigeren Preisen.
Supermärkte und Discounter unterscheiden sich folglich grundlegend voneinander.
Was bieten Supermärkte und Discounter heute an?
Supermärkte (Vollsortimenter) führen typischerweise deutlich mehr Artikel als Discounter.
Discounter wie Aldi oder Lidl beschränken sich hingegen auf etwa 1.500 bis 3.000 Artikel, überwiegend Eigenmarken.
Diese Sortimentsbegrenzung ermöglicht größere Einkaufsmengen pro Artikel und damit günstigere Einkaufspreise. Mittlerweile gibt es auch Selbstbedienungskassen im Supermarkt.
- Supermärkte: breites Sortiment, viele Markenartikel, höhere Preise, mehr Service, Fleisch- und Feinkosttheken
- Discounter: begrenztes Sortiment, überwiegend Eigenmarken, niedrigere Preise, weniger Service
- Hybridformen: Zunehmende Angleichung durch Discounter mit mehr Markenartikeln und Supermärkte mit Discount-Eigenmarken
Verwendete Quellen
- WDR / ARD.
- Planet Wissen.
- Lebensmittel Praxis.
- Lebensmittel-Zeitung.
- Wikipedia.
- Eigene Recherche.
