Aldi und Lidl senken vor Ostern die Preise für Eigenmarken-Kaffee. Bis zu 1,50 Euro weniger pro Packung, heißt es in den Pressemitteilungen.
Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die Preissenkung ist ein Bruchteil dessen, was in den vergangenen Jahren draufgeschlagen wurde. Ein Zwei-Personen-Haushalt zahlt trotz Senkung 46 Euro mehr pro Jahr als noch 2022.
supermarkt-nachrichten.de hat nachgerechnet. Eine Analyse.
Was zahlen Verbraucher wirklich pro Kilo Kaffee im SUpermarkt?
Die Discounter feiern gesunkene Preise. Eine eigene Kilopreis-Berechnung zeigt, was davon beim Verbraucher ankommt.
Eigenmarken-Kaffee: Vorher und nachher
Die günstigste 500-Gramm-Packung Mahlkaffee der Eigenmarken kostete Anfang 2022 noch 2,99 Euro. Im Juli 2024 stieg der Preis auf 4,79 Euro.
Im Januar 2025 folgte die nächste Erhöhung auf 4,99 Euro. Jetzt fällt der Preis um etwa 50 Cent auf 4,49 Euro.
Kilopreis-Vergleich
supermarkt-nachrichten.de hat die Kilopreise berechnet:
- 2022: 2,99 Euro / 500 g = 5,98 Euro pro Kilo
- Vor der Preissenkung: 4,99 Euro / 500 g = 9,98 Euro pro Kilo
- Nach der Preissenkung: 4,49 Euro / 500 g = 8,98 Euro pro Kilo
Der Kilopreis liegt nach der Senkung immer noch drei Euro über dem Niveau von 2022. Die Discounter haben 4,00 Euro pro Kilo draufgeschlagen – und geben jetzt einen Euro zurück.
Wie viel spart ein Haushalt durch die Kaffee-Preissenkung wirklich?
supermarkt-nachrichten.de hat die Jahreskosten eines Zwei-Personen-Haushalts berechnet. Grundlage: je drei Tassen Filterkaffee täglich, 7 Gramm pro Tasse, 365 Tage. Das ergibt einen Jahresverbrauch von 15,33 Kilo.
Jahreskosten im Vergleich
- 2022: 15,33 kg × 5,98 Euro = 91,67 Euro pro Jahr
- Aktuell (nach Senkung): 15,33 kg × 8,98 Euro = 137,66 Euro pro Jahr
- Mehrkosten trotz Senkung: 45,99 Euro pro Jahr
Die Preissenkung spart diesem Haushalt etwa 15 Euro im Jahr. Gegenüber 2022 zahlt er aber immer noch 46 Euro mehr – für dieselbe Menge Eigenmarken-Kaffee.
Wie stark sind die Rohstoffpreise für Kaffee wirklich gesunken?
Aldi und Lidl begründen die Senkung mit gefallenen Rohstoffpreisen. Ein Blick auf die Börsenkurse zeigt: Das stimmt – ist aber nur die halbe Wahrheit.
Arabica
Arabica-Futures notierten Mitte März 2026 bei rund 3,00 US-Dollar pro Pfund. Das ist ein Rückgang von knapp 30 Prozent gegenüber dem Allzeithoch von 4,41 Dollar im Februar 2025.
Aber: 3,00 Dollar pro Pfund sind immer noch doppelt so viel wie 2022. Vor der Preisexplosion lag Arabica bei rund 1,50 Dollar.
Robusta
Robusta notierte Anfang März 2026 bei rund 3.827 US-Dollar pro Tonne. Gefallen gegenüber den Spitzenwerten, aber weit über dem langjährigen Durchschnitt.
Robusta steckt vor allem in Eigenmarken und Instantkaffee. Wenn Vietnam als größter Robusta-Lieferant weniger produziert, trifft das genau das Segment, das Verbraucher am meisten betrifft.

Wie groß ist die Preisschere bei Kaffee zwischen Rohstoff und Regal?
supermarkt-nachrichten.de hat die prozentualen Anstiege verglichen – Rohstoff gegen Regal.
Rohstoff vs. Regalpreis seit 2022
- Arabica-Rohstoff: von ~1,50 auf ~3,00 USD/Pfund = +100 Prozent
- Eigenmarke im Regal: von 5,98 auf 9,98 EUR/kg (vor Senkung) = +67 Prozent
- Eigenmarke nach Senkung: 8,98 EUR/kg = +50 Prozent gegenüber 2022
Der Rohstoff hat sich seit 2022 verdoppelt. Der Regalpreis stieg um 67 Prozent – und fällt nun um 10 Prozent.
Das bedeutet: Die Discounter haben die Rohstoffkosten nicht einmal vollständig durchgereicht. Weitere Senkungen sind bei diesem Rohstoffniveau unwahrscheinlich.

Warum wird Kaffee langfristig nicht günstiger?
Drei Faktoren sprechen dagegen, dass Kaffee im Supermarkt wieder auf das Niveau von 2022 zurückfällt.
Klimawandel trifft die Anbaugebiete
Brasilien erlebte 2024/25 die schwerste Dürre seit Jahrzehnten. Volcafe senkte seine Prognose für die brasilianische Arabica-Ernte 2025/26 auf 34,4 Millionen Säcke – elf Millionen weniger als ursprünglich geschätzt.
Global rechnet Volcafe für 2025/26 mit einem Arabica-Defizit von 8,5 Millionen Säcken. Es wäre das fünfte Defizitjahr in Folge.
Vietnam liefert weniger Robusta
Vietnams Kaffeeproduktion sank 2023/24 um 20 Prozent auf 1,47 Millionen Tonnen. Für 2024/25 wurde die Prognose erneut auf 26,5 Millionen Säcke gesenkt.
Robusta steckt in den günstigen Supermarkt-Eigenmarken. Weniger Robusta aus Vietnam bedeutet: höhere Kosten für genau die Produkte, bei denen Verbraucher sparen wollen.
Anbaufläche schrumpft weltweit
Eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigt: Die weltweite Anbaufläche für Arabica könnte bis 2050 um 60 Prozent schrumpfen.
Die fünf größten Kaffee-Erzeugerländer erleben durch den Klimawandel bereits jetzt 57 zusätzliche Tage pro Jahr mit Temperaturen über der kaffee-schädigenden Schwelle von 30 Grad.
Hoffnung für 2026
Die Prognosen für Brasiliens Ernte 2026 sind besser. Conab rechnet mit 66,2 Millionen Säcken – ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das drückt aktuell die Futures. Ob es beim Verbraucher ankommt, entscheiden aber die Röster und der Handel – nicht die Börse.
Verwendete Quellen
- Eigene Kilopreis-Berechnungen und Jahreskosten-Berechnung von supermarkt-nachrichten.de
- Aldi Süd Pressemitteilung: „Vor Ostern: Aldi senkt die Preise für Kaffee“ (März 2026)
- ICE Arabica-Futures, Kurs März 2026 (ca. 3,00 USD/lb)
- ICE Robusta-Futures, Kurs März 2026 (ca. 3.827 USD/Tonne)
- Volcafe: Prognose brasilianische Arabica-Ernte 2025/26 (34,4 Mio. Säcke, Defizit 8,5 Mio. Säcke)
- Conab: Brasilianische Kaffeeernte-Prognose 2026 (66,2 Mio. Säcke)
- Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften: Studie zur Anbauflächen-Entwicklung
- Vietnam Coffee and Cocoa Association: Produktionszahlen 2023/24
