Sie stehen im Supermarktregal, greifen wie gewohnt zur Chips-Tüte – und wundern sich.
Die Packung sieht gleich aus, fühlt sich aber leichter an.
Was ist Shrinkflation und eine Mogelpackung?
Shrinkflation beschreibt eine versteckte Preiserhöhung. Hersteller verringern die Füllmenge oder Stückzahl eines Produkts, lassen die Verpackung optisch nahezu unverändert und behalten den Preis bei.
Für Verbraucher bedeutet das: höhere Kosten pro Gramm oder Milliliter.
Im Volksmund wird diese Praxis auch als Mogelpackung bezeichnet. Denn der Vergleich mit früheren Verpackungen zeigt oft, dass der Inhalt schleichend schrumpft.
Offiziell sind die neuen Mengen rechtmäßig, solange sie korrekt angegeben werden.
Wie erkennen Sie Produkte mit weniger Inhalt im Supermarkt?
Wer aufmerksam vergleicht, kann Shrinkflation enttarnen. Der wichtigste Hinweis steckt nicht auf der Vorderseite, sondern im Kleingedruckten.
Der Grundpreis als wichtigstes Hilfsmittel
Der Grundpreis zeigt an, was ein Produkt pro 1 Kilogramm oder pro 1 Liter kostet (bei loser Ware ggf. pro 100 g/100 ml).
Im Regal steht er meist kleiner neben dem Endpreis. Er ist in den meisten Fällen gesetzlich vorgeschrieben. Ausnahmen regelt § 4 Abs. 3 PAngV.
Ein Beispiel: Eine Schokolade kostet 1,49 Euro. Früher waren 100 Gramm enthalten, jetzt nur noch 90 Gramm. Der Grundpreis steigt von 1,49 Euro auf 1,66 Euro pro 100 Gramm – eine Preiserhöhung von über zehn Prozent.
Hinweise an der Verpackung und Füllraumausnutzung
Manche Verpackungen enthalten viel Luft. Sie wirken groß, obwohl nur wenig Produkt darinsteckt. Dieses Verhältnis von Verpackungsgröße zum tatsächlichen Inhalt heißt Füllraumausnutzung.
Laut Gesetz darf der freie Raum technisch begründet sein, etwa um das Produkt zu schützen oder es maschinell zu verpacken. Viele Verbraucher empfinden diese Gestaltung jedoch als irreführend.
Welche Produkte sind im Supermarkt häufig betroffen?
Besonders oft trifft Shrinkflation bekannte Markenprodukte im Supermarkt.
Darunter:
- Snacks und Süßwaren.
- Kosmetikartikel
- Getränke.
- Tiefkühlprodukte.
Eigenmarken reagieren häufig verzögert – manchmal senken sie vorübergehend die Preise, manchmal ziehen sie nach.
Welche Rechte haben Verbraucher und Hersteller?
Hersteller dürfen Füllmengen oder Packungsgrößen grundsätzlich anpassen, solange sie die neue Menge korrekt auf der Verpackung angeben. Eine vorherige Information oder Kennzeichnungspflicht besteht nicht.
Die Fertigpackungsverordnung regelt, wie Produkte abgefüllt und gekennzeichnet werden müssen. Sie legt zulässige Toleranzen fest, schreibt aber nicht vor, dass Verpackungen optisch proportional zur Füllmenge gestaltet sein müssen.
Das bedeutet: Solange das richtige Gewicht angegeben ist, kann eine Verpackung größer wirken, als sie gefüllt ist. Das wird durch Verbraucherschützer seit Jahren kritisiert.
Was können Verbraucher gegen Shrinkflation tun?
Ganz verhindern lässt sich Shrinkflation kaum, doch aufgeklärte Kunden können bewusster einkaufen und Druck auf Hersteller ausüben.
Bewusste Kaufentscheidungen treffen
Der Vergleich des Grundpreises hilft, dabei, Mogelpackungen zu entlarven. Wer zu Eigenmarken oder größeren Packungen greift, spart oft dauerhaft Geld. Auch Preis-Apps oder Supermarktwerbung können beim Vergleich helfen.
Bei auffälligen Füllmengen sollten Sie alte und neue Packungen nebeneinanderlegen. Kleine Unterschiede summieren sich über die Zeit zu erheblichen Mehrkosten.
Mogelpackungen melden: Anlaufstellen
Die Verbraucherzentralen beobachten Shrinkflation und veröffentlichen regelmäßig Listen mit aktuellen Mogelpackungen. Zudem nehmen sie Hinweise und Beschwerden entgegen, um Trends zu dokumentieren.
Hinweise auf Shrinkflation können Sie an die Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes melden. Einige stellen Online-Formulare bereit, mit denen Sie betroffene Produkte dokumentieren können.
Je mehr Meldungen eingehen, desto besser lässt sich der Trend belegen – und desto größer wird der öffentliche Druck auf die Hersteller.
Verwendete Quellen
- Verbraucherzentrale.
- Statistisches Bundesamt.
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.
- Eigene Recherche.
