Real ist Geschichte. Tegut verschwindet. Feneberg kämpft ums Überleben. Innerhalb von zwei Jahren haben drei bekannte Supermarktketten zusammen über 600 Filialen verloren oder stehen kurz davor.
Das Muster ist immer dasselbe: Wer weder die Preise der Discounter noch die Einkaufsmacht der Großen bieten kann, fliegt raus.
Die Frage ist: Wer überlebt überhaupt noch zwischen Aldi, Lidl, Rewe und Edeka? Eine Analyse von supermarkt-nachrichten.de.
Was ist mit Real, Tegut und Feneberg passiert?
Real
Real schloss im März 2024 die letzten 48 Filialen. Die ehemals größte SB-Warenhauskette Deutschlands mit 276 Märkten wurde ab 2020 zerschlagen. Kaufland, Edeka und Rewe übernahmen die attraktivsten Standorte.
Für 45 Märkte fand sich kein Käufer. Letzer CEO Bojan Luncer bilanzierte nüchtern: „Damit verabschiedet sich der ehemals größte SB-Warenhausbetreiber endgültig vom deutschen Markt.“
Tegut
Tegut trifft es 2026. Die Schweizer Migros gab im März bekannt, alle rund 300 Filialen abzustoßen. 7.400 Mitarbeiter sind betroffen. Edeka übernimmt den Großteil der Standorte, Rewe sichert sich einige weitere.
Die Marke Tegut wird bis Jahresende verschwinden. Migros-Chef Patrik Pörtig sprach von einem „sehr anspruchsvollen, hochpreisgetriebenen, kostenintensiven Markt“. Die Verluste seit dem Tegut-Kauf 2013: bis zu 600 Millionen Euro.
Fenerberg
Feneberg, der traditionsreiche Allgäuer Edeka-Händler, beantragte Ende 2025 ein Schutzschirmverfahren. Rund 70 Filialen, 3.000 Beschäftigte, 478 Millionen Euro Umsatz – und seit dem Geschäftsjahr 2021/22 nur noch Verluste.
Zuletzt mindestens zehn Millionen Euro Minus im Geschäftsjahr 2024/25. Hohe Pensionsverpflichtungen und die Insolvenz der Tochter Allgäu Fresh Foods verschärften die Lage.

Warum können regionale Ketten im Preiskampf nicht mithalten?
88 Prozent. So hoch ist der gemeinsame Marktanteil von Edeka (inklusive Netto), Rewe (inklusive Penny), der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) und Aldi. Diese vier Konzerne bestimmen, welche Preise deutsche Verbraucher zahlen – und welche Konditionen Lieferanten akzeptieren müssen.
Regionale Supermärkte können nicht mithalten.
Regionale Ketten kaufen teuer ein
Für regionale Ketten bedeutet das: Sie kaufen teurer ein, weil ihr Bestellvolumen einen Bruchteil der Großen ausmacht. Eigenmarken wie „Gut & Günstig“ (Edeka) oder „Ja!“ (Rewe) können sie nicht finanzieren. Logistikzentren, die rund um die Uhr Ware an Hunderte Filialen verteilen, sind für eine 73-Filialen-Kette wie Feneberg schlicht nicht rentabel.
Die Lebensmittelpreise steigen laut Destatis im März 2026 um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klingt moderat. Doch während die Großen steigende Kosten durch Masse kompensieren, frisst jede Preiserhöhung bei regionalen Ketten direkt die ohnehin dünne Marge.
Welche strukturellen Probleme beschleunigen das Supermarkt-Sterben?
Fenebergs Insolvenz zeigt das Grundproblem besonders deutlich. 100 Millionen Euro Pensionsrückstellungen – eine Last, die Traditionsunternehmen mit jahrzehntelanger Geschichte mitschleppen. Jüngere Wettbewerber haben diese Altlasten nicht.
Dazu kommen strukturelle Defizite im Filialnetz: zu kleine Verkaufsflächen, ungünstige Standorte, veraltete Ausstattung. Modernisierungen kosten Geld, das nicht da ist.
Tegut
Bei Tegut war es die gescheiterte Expansion. Migros kaufte die Kette 2013 und wollte sie zum Bio-Premiummarkt ausbauen. Das Konzept funktionierte in Universitätsstädten wie Göttingen oder Marburg. In ländlichen Regionen Hessens und Thüringens nicht. Die Kunden wollten günstig einkaufen – und gingen zu Aldi oder Lidl.
Groschen-Markt
Beim Groschen-Markt in Ostdeutschland kam ein weiterer Faktor hinzu: die demografische Lage. Schrumpfende Bevölkerung in ländlichen Räumen, sinkende Kaufkraft, weniger Kunden pro Filiale. Für einen Nonfood-Discounter mit 47 Filialen ist das ein Teufelskreis.

Was bedeutet die Marktkonzentration für Verbraucher und Lieferanten?
Die Übernahme der Tegut-Filialen zeigt, wohin die Reise geht. Edeka wird stärker, Rewe bekommt die Reste. Der Wettbewerb wird nicht größer – er schrumpft.
Monopolisierung „besorgniserregend“
Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer hat das auf den Punkt gebracht: „Die hohe Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist für die Verbraucherseite und die Beschäftigten besorgniserregend“.
Schwierige Verhandlungen für Lieferanten
Für Lieferanten wird die Verhandlungsposition noch schwieriger. Wer an vier Konzerne liefert, die 88 Prozent des Marktes kontrollieren, hat kaum Spielraum bei Preisverhandlungen. Regionale Erzeuger verlieren mit jeder geschlossenen Regionalkette einen Abnehmer, der bereit war, höhere Preise für kurze Lieferwege und lokale Herkunft zu zahlen.

Gibt es überhaupt noch eine Zukunft für regionale Supermärkte?
Die ehrliche Antwort: kaum. Die Marktkonzentration hat laut Branchenbeobachtern zwar eine „Plateauphase“ erreicht – die 88 Prozent steigen derzeit nicht weiter.
Regionale Supermärkte sind zu klein
Doch das ist kein Trost für die verbleibenden zwölf Prozent. Sie sind zu klein für Skaleneffekte, zu groß für echte Nischen und zu abhängig von Standorten, die für die Großen nicht attraktiv genug sind.
Wer mehr Filialen hat, kauft günstiger ein. Wer günstiger einkauft, kann niedrigere Preise anbieten. Wer niedrigere Preise anbietet, gewinnt Kunden. Und wer Kunden gewinnt, kann noch mehr Filialen eröffnen.
Tegut, Feneberg und Co. sind am Markt gescheitert
Tegut, Feneberg, Groschen-Markt – sie sind nicht an schlechtem Management gescheitert. Sie sind an einem Markt gescheitert, der für sie keinen Platz mehr hat.
Verwendete Quellen
- Eigene Berechnung und Recherchen
- Destatis: Verbraucherpreisindex und Inflationsrate Januar 2026, Statistisches Bundesamt
- Hessenschau: Aus für Tegut – Migros gibt Sanierung auf und verkauft an Edeka (März 2026)
- ZDF heute: Edeka übernimmt rund 200 Tegut-Filialen von Migros (März 2026)
- Osthessen-Zeitung: Tegut-Aus – Neue Details zur Übernahme (März 2026)
- Lebensmittelpraxis: Insolvenzantrag gestellt – Edeka-Händler Feneberg schlüpft unter den Schutzschirm (Januar 2026)
- Lebensmittelpraxis: Umsatzranking Lebensmittelhandel 2025 – Top 30 Unternehmen im LEH t-online: Insolvenz von Feneberg – Zu Edeka gehörende Supermarkt-Kette ist insolvent (2026)
- Utopia: Vier Supermarkt-Konzerne beherrschen 88 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels (2025)
- Unternehmeredition: Groschen-Markt stellt Insolvenzantrag (2025)
- Epochtimes: Insolvenz-Ticker – Supermarktkette Tegut verschwindet aus Deutschland
