Bei Aldi kosten 10 Eier aus Bodenhaltung aktuell 2,49 Euro. Ein Plus von 25 Prozent – mitten in der Oster-Saison. Lidl zog nach.
Die Begründung? Sie klingt plausibel: Vogelgrippe, Newcastle-Krankheit, knappe Bestände. Doch wer die Erzeugerpreise recherchiert, stellt fest: Ein Landwirt in Schleswig-Holstein bekommt für ein Ei aus Bodenhaltung heute fast genauso viel, wie der Verbraucher vor der Preiserhöhung bezahlt hat.
supermarkt-nachrichten.de hat für Sie nachgerechnet. Sind die Preiserhöhungen für Eier überhaupt gerechtfertigt? Eine kommentierende Analyse.
Warum sind Eier vor Ostern so teuer im Supermarkt?
Vogelgrippe und Newcastle-Krankheit
Die Vogelgrippe (H5N1) hat 2025 Hunderttausende Legehennen das Leben gekostet, vor allem in Norddeutschland. Bis neue Hennen die Lücken füllen, vergehen laut Landesbauernverband Baden-Württemberg sieben bis acht Monate.
Zusätzlich brach Anfang 2026 erstmals seit rund 30 Jahren die Newcastle-Krankheit in deutschen Geflügelbetrieben aus. In Brandenburg waren 375.000 Legehennen eines XXL-Betriebs betroffen, in Bayern 100.000 Hennen. Insgesamt wurden laut Friedrich-Loeffler-Institut rund 1,3 Millionen Tiere gekeult.
Wegbrechende Importe
Deutschland kann sich nur zu rund 73 Prozent selbst mit Eiern versorgen. Der Rest kommt vor allem aus den Niederlanden. Dort hat die Vogelgrippe ebenfalls zugeschlagen – in der Provinz Groningen mussten zuletzt 39.000 Legehennen gekeult werden. Gleichzeitig baut die niederländische Regierung den Hühnerbestand aus umweltpolitischen Gründen ab.
Steigende Nachfrage
Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg von 236 auf 244 Eier pro Jahr. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein berichtet, dass auf allen Handelsstufen „nicht ausreichende Angebotsmengen“ gemeldet werden – und das kurz vor der Osterwoche mit der höchsten Eiernachfrage des Jahres.

Wie groß ist die Preisschere zwischen Erzeuger und Supermarkt im Supermarkt?
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein meldete für die 12. Berichtswoche 2026 einen Erzeugerpreis von 19,85 Cent pro Ei aus Bodenhaltung (Gewichtsklasse M, Güteklasse A, lose, ab Packstelle). Für L-Eier waren es 21,05 Cent.
Im Supermarkt zahlen Verbraucher bei Aldi derzeit 24,9 Cent pro Ei aus Bodenhaltung (2,49 Euro für zehn Stück). Eine eigene Berechnung zeigt: Die Differenz beträgt 5,05 Cent pro Ei. Bei einer 10er-Packung sind das rund 50 Cent, die nicht beim Erzeuger landen – sondern in der Handelskette für Logistik, Sortierung, Verpackung und Marge.
Der Erzeuger erhält damit 79,7 Prozent des Regalpreises. Die restlichen 20,3 Prozent bleiben beim Handel.
Wie sieht die Preisschere bei Freiland-Eiern aus?
Bei Eiern aus Freilandhaltung ist das Verhältnis günstiger für den Landwirt. Die sind ohnehin bereits vor Ostern im Supermarkt knapp.
Der Erzeugerpreis liegt laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein bei 25,55 Cent pro Stück (M-Eier). Im Supermarkt kosten zehn Freiland-Eier rund 2,99 Euro – also 29,9 Cent pro Stück.
Die Differenz: 4,35 Cent pro Ei. Der Erzeuger-Anteil am Regalpreis liegt bei 85,5 Prozent.
Was verrät der alte Aldi-Preis über die Marge bei Eiern?
Hier wird es aufschlussreich. supermarkt-nachrichten.de hat den alten Aldi-Preis mit dem aktuellen Erzeugerpreis gelegt. Vor der Erhöhung kosteten zehn Eier bei Aldi 1,99 Euro – also 19,9 Cent pro Ei. Der aktuelle Erzeugerpreis in Schleswig-Holstein liegt bei 19,85 Cent.
Das bedeutet: Was Verbraucher bis Januar 2026 für ein Ei bezahlt haben, ist fast centgenau das, was der Landwirt heute dafür bekommt. Für die gesamte Handelskette – Transport, Sortierung, Kühlung, Verpackung, Regalplatz – blieben beim alten Preis rechnerisch 0,05 Cent pro Ei. Praktisch nichts.
Aldi hat den Preis um 5 Cent pro Ei angehoben. Der Erzeugerpreis liegt aber nur marginal über dem alten Regalpreis. Die gesamten 5,05 Cent Differenz zwischen Erzeuger und neuem Regalpreis fließen in die Handelskette.
Was kostet der höhere Eierpreis die Verbraucher im Jahr im Supermarkt?
Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland lag 2024 bei 244 Eiern – acht mehr als im Vorjahr.
Eine eigene Berechnung zeigt, was die Preiserhöhung konkret bedeutet:
- 2025: 244 Eier × 19,9 Cent = 48,56 Euro pro Person und Jahr
- 2026: 244 Eier × 24,9 Cent = 60,76 Euro pro Person und Jahr
- Mehrkosten: 12,20 Euro pro Kopf
Für einen Vier-Personen-Haushalt ergeben das 48,80 Euro Mehrkosten im Jahr – nur für Eier aus Bodenhaltung. Wer Freiland oder Bio kauft, zahlt entsprechend mehr.

Was kosten Eier pro Kilo – und wie schneiden sie im Vergleich ab?
Ein Ei der Gewichtsklasse M wiegt durchschnittlich 58 Gramm. Zehn Eier wiegen also 580 Gramm. Wir haben den Kilopreis berechnet.
- Bodenhaltung: 24,9 Cent/Ei = 4,29 Euro pro Kilo
- Freiland: 29,9 Cent/Ei = 5,16 Euro pro Kilo
- Bio: 42,9 Cent/Ei = 7,40 Euro pro Kilo
Zum Vergleich: Hähnchenbrust kostet beim Discounter rund 8 Euro pro Kilo, Schweineschnitzel etwa 7 Euro. Eier aus Bodenhaltung bleiben mit 4,29 Euro pro Kilo eine der günstigsten tierischen Proteinquellen im Supermarkt – trotz der Preiserhöhung.
Wann kommt die nächste Preiserhöhung im Supermarkt?
Die Verträge zwischen Händlern und Eier-Produzenten laufen in der Regel ein Jahr und werden im August geschlossen. Das bedeutet: Der aktuelle Regalpreis von 2,49 Euro basiert auf Verträgen aus dem Sommer 2025.
Inzwischen meldete die Lebensmittel Praxis, dass die Großhandelspreise für Eier ein Allzeithoch erreicht haben. Für 100 weiße M-Eier der untersten Haltungsform zahlten Händler bereits im März 2025 17,63 Euro – den höchsten je ermittelten Preis. Seitdem sind die Erzeugerpreise weiter gestiegen.
Wenn die Knappheit bis zum Sommer anhält, dürften die Vertragsverhandlungen im August 2026 eine weitere Preiserhöhung bringen. Für Verbraucher heißt das: Die 2,49 Euro bei Aldi könnten im Herbst 2026 schon wieder Geschichte sein.

Ist die Preiserhöhung für Eier also gerechtfertigt?
Ist die Preiserhöhung gerechtfertigt? Teilweise. Die Erzeugerpreise sind nachweislich gestiegen, die Knappheit ist real. Dass Aldi und Lidl die höheren Einkaufskosten weitergeben, ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar.
Was nicht nachvollziehbar ist: Warum der Erzeuger heute 19,85 Cent für ein Ei bekommt – fast genau das, was der Verbraucher vor der Erhöhung bezahlt hat. Die gesamten 5 Cent Aufschlag fließen in die Handelskette, nicht zum Landwirt.
Wer als Discounter mit dem Argument „Vogelgrippe“ den Preis anhebt, darf sich die Frage gefallen lassen, ob die Krise im Stall nicht ein willkommener Grund ist, um die Preise für uns Verbraucher weiter zu erhöhen.
Dieser Abschnitt gibt die Einschätzung des Autors wieder.
Verwendete Quellen
- Eigene Berechnungen von supermarktnachrichten.de
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: Marktlage für Eier, 12. Berichtswoche 2026 (Erzeugerpreise Bodenhaltung M: 19,85 Cent, L: 21,05 Cent; Freiland M: 25,55 Cent, L: 27,00 Cent)
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 097 vom 14. März 2025 – „Eierproduktion 2024 um 4,2 % gestiegen“ (13,7 Mrd Eier, 45,3 Mio Legehennen)
- top agrar: „Aldi erhöht Eierpreise um 25 %“ (Quelle: DEU-Eiervertriebsgesellschaft; 1,99 → 2,49 Euro, Januar 2026)
- Lebensmittel Praxis: „Versorgungsengpass – Eierknappheit treibt Großhandelspreise auf Rekordniveau“, 03.03.2025 (17,63 Euro/100 M-Eier Großhandel; Pro-Kopf 244 Eier; Selbstversorgungsgrad 73 %; Verträge jährlich im August)
- agrarheute: „Newcastle Disease: 375.000 Legehennen auf XXL-Betrieb erkrankt“ (Dahme-Spreewald, Brandenburg, bestätigt durch FLI am 03.03.2026)
- agrarheute: „Auch in Bayern mussten 100.000 Legehennen gekeult werden“ (Landkreis Erding)
- agrarheute: „Newcastle-Krankheit: 1,3 Mio. Tiere gekeult, Eier knapp“ (Gesamtzahl Newcastle)
- gefluegelnews: „Niederlande: Freilandhennen mit Vogelgrippe“ (39.000 Legehennen, Uithuizermeeden, Provinz Groningen)
