Deutsche Verbraucher müssen sich auf ein teures Osterfest einstellen. Im Handel fehlt aktuell jede zehnte bestellte Packung Eier – und die Lage dürfte sich in den kommenden Tagen weiter verschärfen. Eine Analyse.
Wie knapp sind Eier im Supermarkt wirklich?
Hans-Peter Goldnick, Vorsitzender des Bundesverbands Ei, fürchtet eine Eierknappheit.
Besonders betroffen: Freiland- und Bioeier. Denn Hühner mit Auslauf haben ein höheres Risiko, sich bei Wildvögeln mit der Vogelgrippe anzustecken.
Warum fehlen die Eier?
Vogelgrippe H5N1
Die Vogelgrippe hat der deutschen Geflügelwirtschaft drei Prozent aller Legehennen gekostet. Allein in Niedersachsen, dem wichtigsten Bundesland für die Eierproduktion, gab es 165 Ausbrüche.
Fast zwei Millionen Tiere waren betroffen, rund 1,5 Millionen wurden gekeult. Dem Markt fehlen aktuell mehr als 500.000 Legehennen – und damit auch ihre Eier.
Newcastle-Krankheit
Als wäre die Vogelgrippe nicht genug, ist erstmals seit 30 Jahren die Newcastle-Krankheit in deutschen Geflügelbetrieben aufgetreten. Das Friedrich-Loeffler-Institut meldete im Februar 2026 acht bestätigte Ausbrüche in Brandenburg und Bayern.
Der Erreger: Genotyp VII.1.1, der sich derzeit vor allem in Osteuropa ausbreitet. Bei einem Ausbruch müssen sämtliche Tiere des betroffenen Bestands getötet werden.
Wegbrechende Importe aus den Niederlanden
Deutschland deckt nur rund 72 Prozent seines Eierbedarfs aus eigener Produktion. Den Rest liefern vor allem die Niederlande – rund 80 Prozent der Schaleneier-Importe kommen von dort.
Doch die niederländische Geflügelwirtschaft wird gerade bewusst zurückgefahren. Ein staatliches Ausstiegsprogramm zahlt Tierhaltern Prämien für die Betriebsschließung, um Stickstoffemissionen zu senken. Für den deutschen Markt bedeutet das: Die wichtigste Importquelle liefert weniger.
Wie viel teurer wird das Osterfrühstück 2026?
Eine eigene Berechnung zeigt, was die Preissteigerung konkret bedeutet. Ein Osterfrühstück für vier Personen – acht gekochte Eier aus Bodenhaltung:
- Ostern 2025: 8 Eier × 19,9 Cent = 1,59 Euro
- Ostern 2026: 8 Eier × 24,9 Cent = 1,99 Euro
- Differenz: 40 Cent mehr – ein Plus von 25 Prozent
Wer Freilandeier bevorzugt, zahlt für dasselbe Frühstück heute zwischen 2,24 und 2,80 Euro. Und wer zu Ostern 20 Eier zum Färben kauft, legt bei Bodenhaltung 4,98 Euro hin – ein Euro mehr als im Vorjahr.
Warum essen die Deutschen so viele Eier?
Die Nachfrageseite verschärft das Problem zusätzlich. Deutsche Verbraucher essen heute im Schnitt 253 Eier pro Jahr – das sind 30 mehr als noch vor drei Jahren.
Der Trend zu eiweißreicher Ernährung, Fitness-Trends und die Beliebtheit von Frühstücks-Bowls und Eierspeisen treiben den Konsum. Was unter normalen Bedingungen kein Problem wäre, wird bei knappem Angebot zum Verstärker.
Was bedeutet das für die Ostereinkäufe?
Die Rechnung ist einfach: Die Nachfrage steigt zu Ostern traditionell um 15 bis 20 Prozent. Das Angebot kann nicht mithalten – weil die Hennen fehlen, die Importe sinken und der Wiederaufbau der Bestände Monate dauert.
Wer Ostereier, Schokolade und Backeier kaufen will, sollte nicht bis Karfreitag warten. Vor allem bei Bio- und Freilandeiern ist mit leeren Regalen zu rechnen.
Wann entspannt sich die Lage wieder?
Kurzfristig: nicht. Das Nachsetzen neuer Junghennen dauert mehrere Monate, bis diese legereif sind. Die Newcastle-Krankheit ist noch nicht eingedämmt. Und die niederländischen Importe werden strukturell weniger, nicht mehr.
Mittelfristig dürfte sich der Markt im Sommer 2026 stabilisieren – vorausgesetzt, es kommen keine weiteren Seuchenausbrüche hinzu. Bis dahin bleibt der Eiermarkt angespannt, die Preise hoch und die Auswahl in den Supermarktregalen eingeschränkt.
Verwendete Quellen
- Bundesverband Ei, Hans-Peter Goldnick, Stellungnahme vom 20. März 2026
- Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): Erhöhte Gefährdungslage Newcastle-Krankheit, Februar/März 2026
- gefluegelnews.de: Geflügelpest-Ticker 2026, Eiermarkt-Analyse
- Destatis / BZL: Pro-Kopf-Verbrauch Eier Deutschland
- Eigene Recherche: Preiserhebung Aldi Nord, Marktbeobachtung Großhandel
