Teurer, aber „mit Protein“: So verändert der Eiweiß-Hype den Supermarkt

29. September 2026

Von: Dirk Veit

Einkaufswagen im Supermarkt (Symbolbild)
Einkaufswagen im Supermarkt (Symbolbild)

Milch, Käse und Quark werden billiger. Trotzdem zahlen Kunden im Kühlregal immer öfter einen Aufpreis, sobald „Protein“ auf der Packung steht.

Der Eiweiß-Trend hat den Supermarkt umgebaut: vom Skyr-Boom über Proteindrinks bis zum Pudding mit Süßstoff. supermarkt-nachrichten.de hat Marktdaten, Preise und Zutatenlisten ausgewertet.

Wie stark verändert der Protein-Trend das Kühlregal?

Am deutlichsten zeigt sich der Wandel beim Skyr. Laut NielsenIQ stieg der Umsatz innerhalb eines Jahres um 49,1 Prozent auf rund 403,8 Millionen Euro, wie die Lebensmittel Zeitung berichtet.

Auch körniger Frischkäse und Naturquark gehören laut Lebensmittel Zeitung zu den Gewinnern der sogenannten „weißen Linie“. Das Regal mit Milchprodukten wird damit immer mehr zum Eiweiß-Regal.

Protein ist längst Massenmarkt

Laut YouGov kaufen 48 Prozent der deutschen Verbraucher inzwischen Lebensmittel mit Protein-Versprechen. In der Generation Z sind es 75 Prozent, bei den Babyboomern 28 Prozent.

Den größten Anteil haben Milchprodukte: 62 Prozent der Protein-Käufer greifen zu Joghurt, Quark und Co. Dahinter folgen Protein-Desserts mit 38 Prozent und Proteinriegel mit 34 Prozent.

Die Käufer bleiben skeptisch

Der Boom kommt nicht ohne Zweifel. 81 Prozent halten Protein-Produkte für deutlich teurer als normale Lebensmittel, 69 Prozent bezweifeln, dass sie bei ausgewogener Ernährung überhaupt nötig sind.

Trotzdem wird gekauft. Das zeigt, wie stark das Etikett „Protein“ inzwischen als Kaufargument wirkt.

Was steckt in den Protein-Produkten aus dem Supermarkt?

supermarkt-nachrichten.de hat verglichen: Fünf Produkte aus dem Kühlregal, vom schlichten Quark bis zum Protein-Pudding. Grundlage sind die zuletzt gemeldeten Preise und Nährwerte bei SupermarktCheck.

ProduktPreisEiweiß pro 100 g/mlSüßstoffe
Milbona Skyr Pur, 500 g (Lidl)0,99 €11,0 gkeine
Milbona Speisequark Magerstufe, 500 g (Lidl)1,19 €12,0 gkeine
Ehrmann High Protein Pudding Schoko, 200 g (Rewe)1,49 €10,0 gAcesulfam K, Sucralose
Müllermilch Schoko, 400 ml (Rewe)1,49 €3,4 gkeine
Müllermilch High Protein Schoko, 400 ml (Rewe)1,69 €7,0 gAcesulfam K, Cyclamat, Saccharin

Quelle: SupermarktCheck, abgerufen am 29.09.2026, Getränke zzgl. Pfand

Auffällig: Die schlichten Produkte liefern das meiste Eiweiß. Magerquark und Skyr enthalten mehr Protein pro 100 Gramm als der Protein-Pudding, kosten aber weniger und kommen ohne Zusatzstoffe aus.

Mehr Eiweiß, weniger Zucker, dafür Süßstoff

Der Vergleich der beiden Müllermilch-Sorten zeigt das Prinzip. Die High-Protein-Variante kostet bei Rewe 20 Cent mehr und enthält mit 7,0 statt 3,4 Gramm gut doppelt so viel Eiweiß pro 100 Milliliter.

Beim Zucker ist es umgekehrt: 5,6 Gramm statt 10,2 Gramm pro 100 Milliliter. Die fehlende Süße liefern in der Protein-Version drei Süßstoffe.

Auch der Ehrmann-Pudding setzt auf Süßungsmittel. Wer im Kühlregal „Protein“ kauft, kauft also oft Süßstoff mit.

Warum setzen die Hersteller auf Süßstoff und Milcheiweiß?

Das Rezept ist bei vielen Produkten ähnlich. Zugesetztes Milcheiweiß erhöht den Proteingehalt, Süßstoffe ersetzen einen Teil des Zuckers.

Beim Ehrmann-Pudding stehen Milcheiweiß und Süßstoffe direkt in der Zutatenliste. Bei der Protein-Müllermilch sind es ein Milcheiweißerzeugnis und Magermilchkonzentrat.

Das Ergebnis sind Produkte mit gutem Nährwertprofil auf dem Papier. Beide Protein-Produkte mit Süßstoff tragen laut SupermarktCheck den Nutri-Score A.

Warum wird Milch billiger, Protein aber nicht?

Die Rohware Milch ist derzeit günstig. Laut Statistischem Bundesamt kostete Vollmilch im August 2026 8,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, Käse und Quark 6,1 Prozent weniger, Butter sogar 29,9 Prozent weniger.

Beim Eiweiß als Zutat sieht es anders aus. Nach einem Bericht von WEB.DE hat sich der Preis für Molkenprotein-Konzentrat seit Jahresbeginn ungefähr verdoppelt, weil die weltweite Nachfrage schneller wächst als die Produktion.

Die Spaltung im Kühlregal

Das Ergebnis ist eine Zweiteilung. Milchfett wird billig, Milcheiweiß als Zutat dagegen knapper und teurer.

Beim Lidl-Magerquark stieg der Preis laut SupermarktCheck seit Februar von 0,99 Euro auf 1,19 Euro. Ob der Eiweiß-Boom dahintersteckt, lässt sich aus den Preisdaten allein nicht ablesen.

Brauchen Verbraucher überhaupt mehr Eiweiß?

Die meisten nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt gesunden Erwachsenen 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag.

Laut Verbraucherzentrale essen Männer in Deutschland im Schnitt 85 Gramm, Frauen 64 Gramm Eiweiß am Tag und liegen damit meist schon über der Empfehlung. Selbst für Sportler hält sie extra Eiweiß aus Spezialprodukten für überflüssig.

Die Verbraucherzentrale verweist zudem auf einen Marktcheck: 49 von 57 Proteinprodukten waren teurer als das jeweilige Vergleichsprodukt. Weitere Einordnungen zu Ernährungstrends im Supermarkt bündelt das Ressort Ernährung.

Bereits im Frühjahr hat supermarkt-nachrichten.de die High-Protein-Abzocke der Hersteller analysiert. Neu ist: Der Hype erfasst inzwischen fast das gesamte Kühlregal.

Wer profitiert vom Eiweiß-Hype im Supermarkt?

Am meisten verdienen Marken an verarbeiteten Produkten wie Pudding und Drinks. Hier wird günstige Milch mit zugekauftem Eiweiß und Süßstoff zu einem Premiumprodukt.

Die großen Gewinner beim Umsatz sind aber schlichte Produkte wie Skyr. Gerade die Eigenmarken im Supermarkt liefern hier viel Eiweiß zum Discountpreis.

Wie sich die Produkte in der Qualität unterscheiden, zeigt der Vergleich zum besten Skyr im Supermarkt.

Wie geht es mit den Protein-Preisen weiter?

Kurzfristig spricht wenig für sinkende Preise bei Protein-Produkten. Die Nachfrage wächst weiter, und neue Kapazitäten für Molkenprotein brauchen laut WEB.DE zwei bis drei Jahre bis zur Produktion.

Gleichzeitig fordern Molkereien und Landwirte höhere Preise für Trinkmilch, Joghurt und Quark. Die Zeit des günstigen Kühlregals könnte damit bald enden, und der Protein-Aufschlag käme dann obendrauf.

Die Daten zeigen aber auch: Wer Eiweiß sucht, findet es im Supermarkt weiterhin günstig. Nur eben selten dort, wo „High Protein“ in großen Buchstaben auf der Packung steht.

Verwendete Quellen

Zur weiteren Lektüre

High-Protein-Abzocke: So verdienen die Hersteller am Ernährungs-Hype

Proteinreiche Snacks aus dem Supermarkt