Rentnerrabatt: Über diesen Supermarkt spricht ganz Deutschland

23. April 2026

Von: Dirk Veit

Der Teiba Markt in Neuruppin (Quelle: Google Maps)

Ein kleiner Lebensmittelladen in Neuruppin sorgt seit Wochen für bundesweite Schlagzeilen. RTL hat eine Doku gedreht, der RBB steht in den Startlöchern, fast täglich berichten neue Medien. Der Grund: Wer im Teiba-Markt den Rentenausweis vorzeigt, bekommt zehn Prozent Rabatt auf den gesamten Einkauf. Etwas Vergleichbares gibt es bei keiner großen Supermarktkette in Deutschland.

Doch wer steckt eigentlich hinter diesem Modell? Wie kam es zu der Idee und was bedeutet die plötzliche Aufmerksamkeit für die Familie? supermarkt-nachrichten.de hat mit Alkader Daaboul (23) gesprochen, dem Sohn des Inhabers Yasser Daaboul (50) und Manager im Teiba-Markt. Im Gespräch gibt er Einblicke, die so bisher nirgendwo zu lesen waren.

Die Idee zum Rentnerrabatt kam von der Mutter

Die Idee zum Rabatt entstand im privaten Umfeld der Familie, wie Alkader Daaboul im Gespräch mit supermarkt-nachrichten.de erzählt.

„Eine Freundin meiner Mutter ist Rentnerin und unsere Nachbarin. Von ihr haben wir gehört, wie schwer es geworden ist“, erzählt der 23-Jährige. Es gehe um jeden Cent, am Ende des Monats sei das ein Kampf. Die Mutter brachte die Idee in die Familie, der Vater setzte sie unmittelbar um.

Eine wirtschaftliche Kalkulation steckt nicht dahinter. „Wir haben das aus menschlichen Gründen gemacht“, so Alkader Daaboul. Über mögliche Auswirkungen auf die Konkurrenz oder auf das eigene Kundenwachstum habe man bewusst nicht nachgedacht.

Familie Daaboul kam 2015 aus Syrien nach Deutschland

Die Familie Daaboul ist 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Vor rund vier Jahren eröffnete Yasser Daaboul den Teiba-Markt im Zentrum der brandenburgischen Kreisstadt. Der Name „Teiba“ bedeutet im Arabischen „die Gute, die Freundliche“.

Die Aufgabenteilung im Familienunternehmen ist klar geregelt. „Den Supermarkt betreibt mein Vater. Ich bin der Manager und kümmere mich um Unterlagen, Gespräche und die Presse“, sagt Alkader Daaboul. Daneben führt der 23-Jährige eigene Geschäfte: Drei weitere Märkte gehören bereits dazu, ein vierter ist in Vorbereitung.

EIn Paar in einem Supermarkt.
EIn Senioren-Paar in einem Supermarkt. (Symbolbild / KI genieriert)

RTL, RBB und täglich mehr Kunden im Teiba-Markt

Genaue Nutzungszahlen liegen nicht vor. „Am Anfang war der Rabatt noch nicht so bekannt, viele Leute wussten gar nichts davon. Deswegen war die Nachfrage nicht so groß wie heute“, sagt Alkader Daaboul. Mit jedem Tag würden mehr Kundinnen und Kunden den Rabatt nutzen.

Ob durch das Modell auch komplett neue Kunden in den Markt kommen, lässt sich nicht beziffern. „Das kann ich nicht genau sagen, weil wir nicht wissen, ob diese Kunden sonst woanders einkaufen würden“, so Alkader Daaboul. Bewusst habe die Familie darauf verzichtet, das nachzurecherchieren oder Konkurrenzeffekte zu analysieren.

Die mediale Aufmerksamkeit ist dagegen sehr gut messbar. Am Tag des Interviews war ein Team von RTL für eine Doku im Markt, am Folgetag steht der RBB auf der Liste. Auch weitere Sendungen haben sich angekündigt. „Das macht deutschlandweit die Runde. Schön, dass das so viele wahrnehmen und sich darüber Gedanken machen“, so Alkader Daaboul. Die Berichterstattung sei für die Familie ein Erfolgserlebnis und das wichtigste Argument dafür, dass der Schritt sich gelohnt habe.

Altersarmut trifft Brandenburg besonders hart

Der Standort Neuruppin liegt mitten in einem der Bundesländer mit der höchsten finanziellen Belastung im Alter. Brandenburg führt zwar die Statistik der durchschnittlichen Altersrenten mit 1.259 Euro an, weil die Erwerbsbiografien im Osten oft lückenlos sind. Gleichzeitig ist die Armutsgefährdungsquote ab 65 Jahren laut Statistischem Bundesamt mit 19,4 Prozent bundesweit überdurchschnittlich hoch.

Bei Frauen in dieser Altersgruppe sind es sogar 21,4 Prozent. Die Armutsgrenze für Alleinstehende liegt 2026 bei rund 1.380 Euro netto monatlich. Wer darunter fällt, spürt jeden Euro im Wocheneinkauf.

Genau diese Realität hat im Teiba-Markt zur Idee geführt. Die Nachbarin der Familie steht für eine Gruppe, die in Brandenburg überdurchschnittlich oft mit knappen Mitteln auskommen muss. „Den Rentnern hier geht es nicht gut“, hatte Yasser Daaboul gegenüber der B.Z. Berlin zur Lage in seiner Stadt gesagt.

Drei weitere Märkte könnten den Rentnerrabatt übernehmen

Der Sohn überlegt offen, das Modell auf seine eigenen Geschäfte zu erweitern. „Natürlich ist die Überlegung da“, sagt Alkader Daaboul. Eine pauschale Übernahme schließt er aber aus.

Bei einem Spätkauf, in dem überwiegend Genussmittel und keine Grundnahrungsmittel verkauft würden, mache der aus seiner Sicht Rabatt keinen Sinn. „Wir wollen, dass das seinen Sinn und Zweck erfüllt und nicht einfach pauschal zehn Prozent auf irgendetwas geben, als wäre es Werbung.“ Welche der bestehenden Märkte konkret in Frage kommen, ließ Alkader Daaboul offen.

So reagieren Aldi, Lidl, Rewe und Edeka auf den Vorstoß

Yasser Daaboul hatte sich gegenüber der B.Z. Berlin gewünscht, dass die großen Ketten dem Beispiel folgen. Eine Antwort darauf liegt inzwischen vor.

Das Online-Portal t-online hat die Pressestellen von Aldi Nord, Aldi Süd, Rewe, Edeka, Kaufland und Lidl direkt befragt, ob ein Rentnerrabatt nach dem Vorbild aus Neuruppin denkbar wäre. Das Ergebnis fällt einheitlich aus: Keine der angefragten Ketten plant einen festen Preisnachlass für Rentnerinnen und Rentner.

Aldi Süd äußert sich am deutlichsten. „Ein gesonderter Rentnerrabatt ist nicht vorgesehen“, erklärte eine Pressesprecherin laut t-online. Aldi Nord schloss sich der Aussage an und betont, Preisvorteile direkt und ohne spezielle Coupons weiterzugeben.

Senioren suchen im Prospekt der Woche für Angebote
Senioren suchen im Prospekt Angebote. (KI-Symbolfoto/Nano Banana Pro).

Rewe verneint laut t-online die derzeitige Planung eines Rentnerrabatts und verweist stattdessen auf die Eigenmarke „ja!“ als dauerhaft günstige Alternative. Edeka gibt aufgrund der regionalen Marktstruktur keine bundesweit gültige Antwort.

Kaufland geht nicht konkret auf den Vorschlag ein, hebt aber sein Vorteilsprogramm hervor, das mit demografischen Daten und Kaufverhalten arbeitet. Lidl verweist auf personalisierte Coupons in der Lidl-Plus-App. Für Kunden ohne Smartphone gebe es weiterhin ein gedrucktes Prospekt.

Das Bild ist eindeutig: Die großen Ketten setzen auf personalisierte Programme, Eigenmarken und Bonus-Apps. Einen pauschalen Vorteil für eine bestimmte Altersgruppe lehnen sie nach den Aussagen gegenüber t-online ab. Damit bleibt der Rentnerrabatt aus Neuruppin vorerst der einzige seiner Art im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Ein Lehrstück für die gesamte Supermarkt-Branche

Die Hoffnung der Familie unterscheidet sich vom üblichen Marketingdenken. Das Modell soll andere Händler zum Nachahmen einladen, nicht zur Konkurrenz herausfordern. „Wir haben den Anfang gemacht, um zu zeigen: Wer will, der kann“, sagt Alkader Daaboul.

Dabei muss es nicht zwingend ein Pauschalrabatt von zehn Prozent sein. „Auch zwei oder drei Prozent Rentnerrabatt machen schon etwas aus.“

Bis sich Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka diesem Schritt anschließen, bleibt der Teiba-Markt in der ungewöhnlichen Rolle eines Lehrstücks für die gesamte Branche. Familie Daaboul bekommt dafür im Gegenzug das, was sich die meisten Marketingabteilungen wünschen: bundesweite Aufmerksamkeit, ohne dafür Werbebudget einzusetzen.

Verwendete Quellen

  • Eigenes Interview von supermarkt-nachrichten.de mit Alkader Daaboul, Manager im Teiba-Markt Neuruppin
  • B.Z. Berlin: Bericht über den Rentnerrabatt im Teiba-Markt
  • Lebensmittel Zeitung: Bericht zum Sofort-Rabatt für Rentner
  • t-online: Anfrage bei den Pressestellen von Aldi Nord, Aldi Süd, Rewe, Edeka, Kaufland und Lidl zum Rentnerrabatt
  • Statistisches Bundesamt: Armutsgefährdungsquote nach Alter
  • Deutsche Rentenversicherung: Durchschnittliche Altersrente nach Bundesländern