Milka erntet erneut Kritik: „Das ist der umstrittenste Weihnachtsmann des Jahres“

16. Dezember 2025

Von: Moritz Serif

Weihnachtsmänner im Supermarkt
Milka muss wegen seiner Weihnachtsmänner wieder Kritik ernten (Symbolfoto/Nano Banana Pro).

„Achtung, heute geht es um etwas, das euch an der Kasse richtig Geld kosten kann.“

Mit dieser Warnung eröffnet Sebastian Klaus, Professor für Verpackungstechnik an der Berliner Hochschule für Technik Berlin, auch bekannt als Verpackungsprof bei YouTube, seine Analyse.

„Milka steht ja seit Monaten wegen ihrer Preisgestaltung und Packungsgrößen in der Kritik und jetzt, pünktlich zur Weihnachtszeit setzt die Marke noch einen drauf“, so Klaus.

Milka Weihnachtsmänner auf dem Prüfstand

Im Regal stünden zwei Weihnachtsmänner, so Klaus: „gleiche Größe, ähnliche Optik, gleicher Eindruck“. Für Käufer entstehe der Eindruck, es handele sich um Varianten desselben Produkts.

„In Wahrheit liegen sie in völlig unterschiedlichen Preisregionen“, erklärt er. Genau dieser Unterschied sei auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Milka-Weihnachtsmänner in der Kritik

Klaus beschreibt die beiden Produkte konkret: Ein Weihnachtsmann wiegt 45 Gramm, der andere 61 Gramm und ist mit Schokolinsen gefüllt. Der Gewichtsunterschied sei für Verbraucher kaum wahrnehmbar. „15 Gramm so wahrzunehmen, ist schon schwierig bis nicht möglich“, sagt er.

Beim Preis sei der Unterschied dagegen erheblich. „54 Euro pro Kilo ist schon abschreckend.“ Ziel dieser theoretischen Gestaltung sei es, dass Käufer möglichst häufig zum teureren Produkt greifen – „idealerweise, ohne es zu bemerken oder vielleicht erst nach dem Bezahlen, wenn sie auf den Kassenbon schauen“.

Damit das funktioniere, müssten die Produkte möglichst ähnlich wirken: „gleiche Größe, ähnliche Form, vertraute Farben“. Kleine Unterschiede dürften bestehen bleiben, „damit man sich später herausreden kann“.

MerkmalStandard-WeihnachtsmannWeihnachtsmann mit Linsen
Gewicht45 Gramm61 Gramm
Kilopreis (ca.)~ 42 EuroBis zu 54 Euro
KennzeichnungGewicht meist sichtbarGewicht versteckt (Boden)
ErkennbarkeitHochExtrem niedrig
PlatzierungOft gemischt im DisplayOft gemischt im Display

Weihnachtsschokolade steht gerne am Gang

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Platzierung im Markt. Weihnachtsartikel stünden häufig in Sonderaufbauten direkt im Gang. „Genau dort, wo Kunden spontan zugreifen.“ Beide Produkte müssten dabei in direkter Griff- und Sichtweite stehen, sonst entstehe keine Verwechslung.

Klaus beschreibt typische Abläufe im Handel: Produkte werden verräumt, gestapelt, verschoben. Dabei könne es passieren, dass Ware unter falschen Preisschildern stehe. „Viele Mitarbeiter wissen auch gar nicht, dass es sich um unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Preisen handelt.“

Für Hersteller sei das vorteilhaft. „Wenn das Preisschild fehlt, ist das für dich ein echter Glücksfall.“ Die Verantwortung trage am Ende jedoch der Handel.

„Hinweis übersieht man sehr leicht“

Normalerweise würden Käufer auf die Grammangabe achten. „Wenn ein Kunde auf der Verpackung 61 g liest, wird er misstrauisch.“

Die Angabe einfach wegzulassen sei keine Option. Die Lebensmittelinformationsverordnung schreibe die Nennfüllmenge verpflichtend vor. „Weglassen geht also nicht. Bleibt nur eine andere Option: verstecken.“

Genau das habe Milka umgesetzt. Die Füllmenge befinde sich auf der Unterseite in einem aufklappbaren Leporello-Etikett. Ein kleiner Hinweis weise darauf hin, dass sich dort Pflichtinformationen befänden. „Diesen Hinweis übersieht man sehr leicht – selbst dann, wenn man gezielt danach sucht“, sagt Klaus.

Tests mit Käufern: „Ich sehe es gar nicht“

Um seine Einschätzung zu überprüfen, führt der Verpackungsprofi Tests durch. Eine Einzelperson und eine Gruppe sollen ohne Vorwarnung angeben, wie schwer die Weihnachtsmänner sind. Die Ergebnisse sind eindeutig.

„45 Gramm“, sagt eine Testperson. „Der wiegt auch 45.“ Beim lilafarbenen Weihnachtsmann folgt Unsicherheit: „Ich sehe es gar nicht.“ – „Ich finde es nicht.“ – „Steht nicht drauf.“

Erst nach dem Öffnen des Etiketts wird die Angabe sichtbar. „Das ist eine Pflichtangabe. Muss draufstehen“, sagt eine Teilnehmerin. Eine andere kommentiert: „Das ist ja mega doof.“ Mehrfach wird angemerkt, die Zahl hätte auch direkt auf der Verpackung stehen können.

Rechtliche Grauzone bei aufklappbaren Etiketten

Rechtlich bewege sich der Fall in einer Grauzone, ordnet Klaus ein. Die Lebensmittelinformationsverordnung verlange, dass Pflichtangaben sichtbar und gut lesbar seien. Ob ein aufklappbares Etikett diese Anforderungen erfüllt, lasse der Gesetzestext offen.

Klaus verweist auf eine Bewertung des Arbeitskreises lebensmittelschemischer Sachverständiger aus dem Jahr 2019. Demnach seien mehrseitige Etiketten nur bei Platzmangel oder aus technischen Gründen vorgesehen. „Ist der Milka-Weihnachtsmann wirklich zu klein, um die Füllmenge normal aufzudrucken? Ganz klar: Nein.“

Vergleich mit Milka-Schneemann

Zum Schluss zieht Klaus einen Vergleich: Ein Milka-Schneemann ähnlicher Größe trage die Füllmenge gut sichtbar auf der Verpackung. „Keine Tarnung, kein Suchspiel, kein Gefummel.“

Seine abschließende Frage bleibt offen: „Warum klappt das beim Schneemann, aber nicht beim Weihnachtsmann?“ Ob Verbraucher genauer hinschauen müssten oder ob die Gestaltung problematisch sei, überlässt er den Zuschauern.

Milka immer wieder in der Kritik

Milka ist im Jahr 2025 immer wieder in die Kritik geraten. Mittlerweile hat Mondelez auch an Absatz verloren. Grund war unter anderem eine Shrinkflation von Schokolade und Abstrafungen durch Kunden.

Verwendete Quellen