Wer im Supermarkt zu einem Chili-Mix greift, erwartet vor allem eines: Würze fürs Essen, keine Rechenaufgabe zu Pestizidrückständen.
Doch genau darum dreht sich inzwischen der Streit um den „REWE Beste Wahl Chili Mix“. REWE hält das Produkt für „vollkommen verkehrsfähig“. foodwatch widerspricht und sagt: Die Rechnung, mit der REWE seine Position begründet, überzeugt nicht.
REWE Chili Mix: Welcher Trocknungsfaktor gilt?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das schwer zu durchschauen. Denn im Zentrum stehen zwei Fragen: Welcher Trocknungsfaktor gilt für diesen Chili-Mix? Und wie bewertet man Pestizidrückstände in einem getrockneten Mischprodukt?
supermarkt-nachrichten.de hat die Verbraucherorganisation mit den jüngsten Aussagen von REWE konfrontiert. Jetzt legt foodwatch nach.
foodwatch: „Die Argumentation von Rewe erschließt sich uns nicht“
Andreas Winkler von foodwatch schreibt auf Anfrage von supermarkt-nachrichten.de:
„Ehrlich gesagt erschließt sich uns die Argumentation von REWE nicht. Selbstverständlich haben wir den Trocknungsfaktor herangezogen – und zwar den Faktor 5 für Paprikapulver, denn der REWE ‚Chili Mix‘ besteht nun mal zu 70 Prozent aus Paprikapulver.“
REWE hatte zuvor mit Faktor 10 argumentiert. foodwatch setzt dagegen Faktor 5 an.
Auf der REWE-Produktseite steht bei den Zutaten: „Paprika, Chili 30%.“ foodwatch verweist genau darauf. Nach Lesart der Verbraucherorganisation ist damit entscheidend, dass der Mix überwiegend aus Paprikapulver besteht.
Warum der Trocknungsfaktor so wichtig ist
Bei getrockneten Lebensmitteln können Rückstände stärker konzentriert auftreten als in frischer Ware, weil Wasser entzogen wurde. Um solche Werte einzuordnen, verwendet man einen Trocknungsfaktor.
Vereinfacht gesagt: Je höher dieser Faktor angesetzt wird, desto größer ist der rechnerische Spielraum für Rückstände im getrockneten Produkt. Ein Faktor 10 führt deshalb zu einer anderen Bewertung als ein Faktor 5.
REWE rechnet anders, foodwatch hält dagegen
Genau an dieser Stelle liegt der Kern des Streits. REWE rechnet mit einem höheren Faktor. foodwatch hält den niedrigeren Faktor für sachgerecht, weil der Chili-Mix nach Angaben auf der Produktseite zu 70 Prozent aus Paprikapulver besteht.
foodwatch hatte bereits zuvor gegenüber supermarkt-nachrichten.de erklärt:
„Zu der Frage nach dem Trocknungsfaktor: RREWE (Faktor 10) geht anscheinend von einem deutlich höheren Wassergehalt in den frischen Chilis aus. Das von foodwatch beauftragte Labor hat von sich aus einen Trocknungsfaktor von 5 angewendet, auf der Grundlage der Leitlinien der niederländischen Behörde RIVM. (Das Labor hat seinen Sitz in den Niederlanden.) Wir haben diesen Faktor übernommen.“
Allerdings seien das nur Orientierungswerte.
Foodwatch: „Aus unserer Sicht keine Entwarnung“.
Von der grundsätzlichen Kritik rückt foodwatch nicht ab. Die Organisation sieht das Problem nicht erst dann, wenn ein Grenzwert rechnerisch überschritten wird.
„Und selbst wenn ein Produkt knapp unterhalb des Grenzwertes belastet ist, wäre das aus unserer Sicht keine Entwarnung“, so foodwatch. foodwatch fordert nach eigenen Angaben eine Null-Toleranz-Regelung für Rückstände von Pestiziden, die in Europa nicht mehr zugelassen sind.
Quellen
- Neuer Schriftwechsel zwischen foodwatch und supermarkt-nachrichten.de
- Frühere Stellungnahme von REWE und Foodwatch gegenüber supermarkt-nachrichten.de
- supermarkt-nachrichten.de – REWE-Chili: Händler widerspricht foodwatch – „Produkt ist vollkommen verkehrsfähig“
