REWE-Chili: Händler widerspricht foodwatch – „Produkt ist vollkommen verkehrsfähig“

28. Mai 2026

Von: Moritz Serif

Foodwatch kritisiert ein Chili von Rewe (KI-Symbolfoto).
Foodwatch kritisiert ein Chili von Rewe (KI-Symbolfoto).

Update vom 28.05.26: Nach der ersten Stellungnahme hat REWE supermarkt-nachrichten.de ein weiteres Update zum „REWE Beste Wahl Chili Mix“ übermittelt. Darin widerspricht der Händler der von foodwatch kommunizierten Höchstmengenüberschreitung ausdrücklich.

REWE teilt mit: „ein Update: Ergebnis unseres Austausches mit dem von Foodwatch beauftragten Labor ist, dass der Trocknungsfaktor beim REWE Beste Wahl Chili Mix nicht angewendet wurde. Eine Höchstmengenüberschreitung, wie sie die NGO kommuniziert, gibt es nicht. Das Produkt ist vollkommen verkehrsfähig“.

REWE: Chili Mix „ist vollkommen verkehrsfähig“

REWE schreibt weiter: „Den Beleg der Aussage durch das Labor haben wir Foodwatch zur Verfügung gestellt. Denn eine Vereinbarung untersagt uns, Dokumente direkt und ohne Zustimmung der NGO an Dritte weiterzugeben.“

Foodwatch hatte zuvor gegenüber supermarkt-nachrichten.de erklärt: „Der Rewe Chili Mix ist das Produkt, das in unserem Labortest mit den meisten Pestiziden belastet war – mit insgesamt 22 Ackergiften, davon sieben nicht mehr in Europa zugelassenen. Ein Mittel war sogar über dem Grenzwert.“

supermarkt-nachrichten.de hat foodwatch um eine Einordnung der neuen REWE-Aussage gebeten. Foodwatch möchte beim REWE-Chili-Mix keine Entwarnung geben.

Erstmeldung vom 26.05.26: Foodwatch erhebt Pestizid-Vorwurf gegen REWE-Chili: Händler widerspricht


Ein Griff ins Gewürzregal, ein Löffel in die Soße, etwas Schärfe ans Essen: Chili- gehört für viele Verbraucher zum Alltag. Doch ausgerechnet ein Produkt von REWE steht jetzt im Zentrum eines Pestizidtests, der aktuell Wellen schlägt: „REWE Chili Mix“.

Der Vorwurf: Die Verbraucherorganisation foodwatch spricht von auffälligen Laborbefunden. Die Antwort: REWE hält zentrale Punkte der Bewertung für nicht ausreichend geklärt. supermarkt-nachrichten.de hat bei foodwatch und REWE nachgefragt.

REWE Chili Mix: 22 Pestizide laut foodwatch

Foodwatch hat Reis, Gewürze und Tee im Labor untersuchen lassen. Nach Darstellung der Organisation war der REWE Chili Mix im Test besonders auffällig.

„Der Rewe Chili Mix ist das Produkt, das in unserem Labortest mit den meisten Pestiziden belastet war – mit insgesamt 22 Ackergiften, davon sieben nicht mehr in Europa zugelassenen. Ein Mittel war sogar über dem Grenzwert“, antwortete Andreas Winkler von foodwatch auf Anfrage von supermarkt-nachrichten.de.

Foodwatch fordert von Rewe Rückruf belasteter Produkte

Aus Sicht von foodwatch reiche eine bloße Prüfung nicht aus. Die Organisation fordert Konsequenzen bei Produkten, die nach ihrer Bewertung über Grenzwerten liegen.

„Wir fordern von Rewe und Co., alle Produkte, die mit Pestiziden über dem Grenzwert belastet sind, umgehend zurückrufen. Außerdem müssen die Unternehmen ihre Eigenkontrollen verschärfen. Ziel muss sein, dass alle Lebensmittel bei uns im Supermarkt frei von verbotenen Pestiziden sind – andere Hersteller in unserem Test zeigen, dass das geht“, so Winkler.

REWE Stellungnahme: Händler kritisiert foodwatch-Report

REWE hält die Bewertung von foodwatch für nicht ausreichend belegt und kritisiert sowohl das Vorgehen vor der Veröffentlichung als auch die Grundlage der Testergebnis-Prüfung.

„Foodwatch hat uns im Vorfeld der Veröffentlichung der Testergebnisse NICHT kontaktiert und um Stellungnahme gebeten. Erst auf unsere Nachfrage hat Foodwatch heute Nachmittag, 22.05.2026, die Laborberichte mit uns geteilt. Wir stehen nun auch mit dem betreffenden Labor im Austausch zur Klärung des Sachverhalts. Wir warten aktuell noch auf die Beantwortung von Fragen durch das Labor“, antwortete REWE-Pressesprecher Thomas Bonrath auf Anfrage von supermarkt-nachrichten.de.

Pestizid-Grenzwert: REWE verweist auf getrocknetes Chili

Nach Darstellung von REWE reiche der öffentlich zugängliche foodwatch-Report nicht aus, um die Ergebnisse belastbar zu prüfen. Das Unternehmen bemängelt fehlende produktionsspezifische Angaben und relevante Informationen zur Methodik.

„Der auf der Website veröffentliche Report ist für die Recherche und Überprüfung der Testergebnisse leider ungenügend, da u.a. produktionsspezifische Angaben als auch relevante Infos zur Methodik fehlen“, schreibt REWE.

Ein zentraler Streitpunkt ist der Grenzwert. REWE verweist darauf, dass es sich beim Chili-Mix um ein getrocknetes Produkt handelt. Der von foodwatch genannte Wert von 0,01 mg/kg beziehe sich laut REWE auf frische Capsicum-Arten.

„Für getrocknetes Paprika- und Chilipulver wird laut der European Spice Association ein Trocknungsfaktor von 10 angewendet. Damit liegt der Grenzwert bei 0,1 mg/kg“, erklärt das Unternehmen.

REWE wirft foodwatch Überzeichnung vor

REWE geht davon aus, dass foodwatch in der Analyse mit einem geringeren Trocknungsfaktor gearbeitet hat. Außerdem kritisiert der Händler die Wortwahl und Einordnung der Verbraucherorganisation.

„Nach den uns vorliegenden Informationen ist ein geringerer Trocknungsfaktor in der Foodwatch-Analyse angewendet worden. Außerdem scheint Foodwatch wesentliche regulatorische Unterscheidungen wie „nicht zugelassene“ Stoffe mit „verbotenen“ und implizit unsicheren Stoffen gleichzusetzen und damit Ergebnisse systematisch zu überzeichnen“, schreibt REWE.

REWE prüft Laborberichte zum Chili Mix

Trotz der Kritik erklärt REWE, man nehme die Ergebnisse ernst. Das Unternehmen habe Untersuchungen eingeleitet und stehe mit dem betreffenden Labor im Austausch.

„Wir nehmen die Ergebnisse im Sinne des Verbraucherschutzes ernst und haben Untersuchungen eingeleitet“, teilt REWE mit. Die Prüfung könne nach Unternehmensangaben noch rund zwei Wochen dauern.

REWE verweist zudem auf eigene Kontrollen. Diese seien bislang unauffällig gewesen und hätten den gesetzlichen Anforderungen entsprochen.

„Auch aktuell gehen wir davon aus, dass die getesteten REWE-Produkte uneingeschränkt verkehrsfähig sind“, schreibt der Händler.

REWE zu Kontrollen: Lieferanten und Stichproben

Nach Angaben von REWE laufen Pestiziduntersuchungen entlang der Lieferkette vor allem über die Lieferanten. Zusätzlich führe das Unternehmen eigene stichprobenartige Kontrollen durch.

Art, Umfang und Häufigkeit dieser Untersuchungen würden risikobasiert festgelegt, unter anderem nach Produktgruppe, Herkunft, Lieferant und bisherigen Analyseergebnissen. So stelle REWE nach eigener Darstellung eine angemessene Überwachung der gesetzlichen Anforderungen sicher.

Pestizide im Chili Mix: REWE sieht nicht automatisch Gesundheitsrisiko

REWE verweist außerdem auf den europäischen Rahmen für Lebensmittelsicherheit. Rückstandshöchstgehalte würden von der EFSA mit konservativen toxikologischen Schwellenwerten und Sicherheitsmargen festgelegt.

Aus Sicht des Unternehmens bedeutet ein Nachweis von Rückständen nicht automatisch eine Gesundheitsgefahr. REWE schreibt: „Der Nachweis eines Rückstands – oft in Spuren – ist nicht gleichbedeutend mit einem Gesundheitsrisiko.“

Was Käufer des REWE Chili Mix jetzt wissen sollten

Foodwatch rät bei Produkten, die nach eigener Bewertung über dem Grenzwert belastet sind, zur Vorsicht.

„Bei den Produkten, die mit Pestizidrückständen über dem Grenzwert belastet sind: besser nicht essen. Wir fordern die Hersteller auf, die Produkte zurückzurufen. Verbraucher:innen können sich an die Hersteller wenden, um das Produkt zurückzugeben und zu fragen: Wie kriege ich mein Geld zurück?“, sagt Winkler.

REWE sieht die Sache anders. Der Händler hält die Bewertung von foodwatch für nicht ausreichend geklärt, prüft die Laborberichte und geht aktuell davon aus, dass die getesteten REWE-Produkte uneingeschränkt verkehrsfähig sind.

Pestizide in Gewürzen: Streit um Kontrollen

Der Fall zeigt: Zwischen foodwatch und REWE geht es nicht nur um ein einzelnes Gewürzprodukt. Es geht auch um die Frage, wie Rückstände in importierten Gewürzen bewertet werden, welche Grenzwerte gelten und wie streng Eigenkontrollen im Handel sein müssen.

Foodwatch fordert grundsätzlich schärfere Regeln: „Ackergifte, die in Europa verboten sind, dürfen nicht über importierte Lebensmittel wieder auf unserem Teller landen. Die EU muss eine Null-Toleranz-Regelung erlassen: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden.“

Verwendete Quellen

Transparenzhinweis

Wir haben diesen Artikel bestmöglich journalistisch recherchiert. Der Text ersetzt keinen Besuch bei einem Ernährungsberater.