Es steht in Millionen Küchen. Für Salat, Pasta, Gemüse oder zum Braten: Olivenöl gehört für viele Menschen fest zum Einkauf im Supermarkt. Für viele Verbraucher stellt sich daher die Frage, welches Olivenöl das Beste ist.
Doch ein aktueller Olivenöl-Test von ÖKO-TEST wirft eine unangenehme Frage auf: Können sich Kunden bei Olivenöl aus dem Supermarkt noch darauf verlassen, dass „nativ extra“ wirklich höchste Qualität bedeutet?
Olivenöl-Test von ÖKO-TEST: Nur zwei Bestnoten
ÖKO-TEST hat 30 Olivenöle der ausgelobten Güteklasse „nativ extra“ untersucht. Darunter waren auch Eigenmarken aus Supermärkten und Discountern.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Nur zwei Olivenöle erhielten die Bestnote. Sieben Produkte fielen im Test durch. Die Tester kritisierten unter anderem sensorische Mängel, Pestizidrückstände, Mineralölbestandteile und teils auch Weichmacher.
„Nativ extra“ bei Olivenöl: Wie verlässlich ist das Etikett?
supermarkt-nachrichten.de hat für Sie recherchiert und bei ÖKO-TEST sowie bei Edeka und Lidl nachgefragt, wie sie die Ergebnisse einordnen.
„Im Vergleich zu vorherigen Tests bieten immer mehr Öle nicht die Qualität, die sie versprechen. Auch die Mehrfachbelastungen mit Pestiziden sind mehr geworden. Zudem sind einige Öle mit Weichmachern und möglicherweise krebserregenden Mineralölbestandteilen belastet“, antwortete Karen Richterich, Pressesprecherin von ÖKO-TEST.
Olivenöl „nativ extra“: ÖKO-TEST sieht Kontrollprobleme
Besonders heikel ist die Frage nach der Güteklasse. Denn „nativ extra“ gilt eigentlich als höchste Qualitätsstufe bei Olivenöl. Doch wie verlässlich ist dieser Hinweis noch?
„Zu hundert Prozent verlässlich ist er nicht: Sieben von 30 Olivenölen in unserem Test entsprachen nicht der ausgelobten höchsten Güteklasse ‚nativ extra‘“, so Richterich.
Aus Sicht von ÖKO-TEST seien deshalb verbesserte Kontrollen nötig. Vor allem bei Olivenölen gemischten Ursprungs und bei Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern sieht das Verbrauchermagazin Lücken.
Die Verantwortung sieht ÖKO-TEST aber nicht nur bei Herstellern. Auch Händler müssten sicherstellen, dass Produkte, die sie unter eigenem Namen verkaufen, den ausgelobten Qualitätsmerkmalen entsprechen.
Edeka und Lidl zu Olivenöl-Test: Händler beziehen Stellung
Edeka und Lidl haben aber auf Anfrage von supermarkt-nachrichten.de zu ihren Kontrollsystemen geäußert.
Lidl zu Olivenöl: Discounter verweist auf Kontrollen
Lidl erklärt auf Anfrage, Qualität und Sicherheit der Produkte hätten „oberste Priorität“. Der Discounter verweist auf strenge Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette.
Nach Angaben von Lidl werden Großchargen vor der Abfüllung sensorisch validiert. Zusätzlich lasse Lidl chemisch-physikalische Analysen in unabhängigen Prüflaboren durchführen. Dabei gehe es unter anderem um Pestizide, Mineralölrückstände, Weichmacher und Schwermetalle.
Lidl über Olivenöl-Qualität: Klimawandel als Faktor
Sollten sich sensorische Abweichungen bestätigen, nehme Lidl die betroffene Charge nach eigenen Angaben aus dem Verkauf.
Der Discounter verweist außerdem auf den Klimawandel. Dürreperioden, besonders im wichtigen Anbauland Spanien, könnten Ernten verringern und den Geschmack von Olivenöl verändern. Gemeinsam mit Lieferanten arbeite Lidl deshalb an Maßnahmen wie moderner Bewässerung und Erosionsschutz.
Edeka zu Olivenöl: Eigene Analysen veranlasst
Auch Edeka betont seine Qualitätssicherung. Der Händler erklärt, die Eigenmarken-Olivenöle würden regelmäßig intern und durch unabhängige, akkreditierte Labore geprüft.
Zu den von ÖKO-TEST kritisierten Fällen schreibt Edeka, man habe Berichte bereits vor Veröffentlichung geprüft und in Einzelfällen eigene Analysen veranlasst. Ergebnis laut Unternehmen: Die Verkehrsfähigkeit der betroffenen Chargen als „nativ extra“ sei bestätigt worden.
Olivenöl im Supermarkt: Was Verbraucher wissen sollten
Edeka verweist zudem auf ein mehrstufiges Qualitätssicherungssystem mit Spezifikationen, ausgewählten Lieferanten und regelmäßigen Kontrollen entlang der Lieferkette.
Der Test zeigt: „Nativ extra“ bleibt ein wichtiges Qualitätsversprechen. Aber aus Sicht von ÖKO-TEST ist es nicht immer ein verlässlicher Schutz vor Mängeln.
Olivenöl kaufen: Nicht nur auf das Etikett verlassen
Für Verbraucher heißt das: Nicht jedes Olivenöl im Supermarkt ist automatisch problematisch. Aber der Blick auf Tests, Herkunft, Qualitätssiegel und Preis kann sich lohnen.
Denn am Ende entscheidet nicht das schöne Etikett. Sondern das, was wirklich in der Flasche steckt.
Verwendete Quellen
- ÖKOTEST: Olivenöl-Test: Nur 2 von 30 mit Bestnote – die Laboranalyse überrascht
- Antworten von ÖKOTEST, Edeka und Lidl auf Presseanfragen von supermarkt-nachrichten.de
