Zwischen Milch, Gemüse und Brot fällt es Ihnen im Supermarktregal auf: ein grünes Zeichen mit blauem Schriftzug – „Naturland“.
Ist das einfach „Bio“ oder mehr? Viele fragen sich, was das Naturland-Siegel eigentlich garantiert und worin es sich von anderen Bio-Standards unterscheidet.
Was kennzeichnet das Naturland-Siegel?
Das Naturland-Siegel kennzeichnet Produkte, die nach den Richtlinien des Naturland Verbands hergestellt wurden. Der Verband ist eine privatrechtliche Organisation mit Sitz in Deutschland, die seit 1982 Standards für ökologischen Landbau setzt. Seine Richtlinien gehen über die gesetzlichen Anforderungen des EU-Bio-Siegels hinaus.
Während das EU-Bio-Siegel den Mindeststandard für Bioprodukte definiert, verlangt Naturland zusätzliche ökologische und soziale Kriterien. Dazu zählen strengere Regeln für Tierhaltung, Artenvielfalt, Betriebsführung und faire Handelsbeziehungen.
Welche Produkte tragen das Naturland-Siegel?
Im Handel finden Sie das Naturland-Zeichen auf Milch, Käse, Fleisch, Eiern, Brot oder Gemüse. Auch Trockenfrüchte, Kaffee, Tee und Fischprodukte können Naturland-zertifiziert sein. Denn der Verband vergibt Richtlinien nicht nur für Acker- und Viehwirtschaft, sondern auch für Aquakultur, Waldnutzung und Textilien.
Bekannte Marken wie Andechser, Ökoland oder Rapunzel produzieren nach Naturland-Standards. Daneben arbeiten viele kleinere Betriebe regional mit dem Verband zusammen.
Wo finde ich Naturlandprodukte im Supermarkt?
Naturlandprodukte sind je nach Region bei verschiedenen Ketten im Supermarkt und im Fachhandel erhältlich.
Wie streng sind die Naturland-Richtlinien im Vergleich zum EU-Bio-Siegel?
Das EU-Bio-Siegel legt die rechtliche Grundlage für alle Bioprodukte in Europa. Es schreibt unter anderem vor, dass synthetische Pestizide und chemische Düngemittel tabu sind.
Kriterien von Naturland
Der Verband fordert, dass Betriebe aufgeschlossen in Kreisläufen wirtschaften, den Boden langfristig fruchtbar halten und regionale Futtermittel bevorzugen.
Tiere müssen mehr Platz, Auslauf und Einstreu erhalten, als das EU-Bio-Siegel verlangt. Der Verband regelt zudem eine Höchstanzahl von Tieren pro Hektar. Schmerzhafte Eingriffe sind weitgehend verboten.
Ausnahmen bestehen nur mit Betäubung und eventueller Schmerzbehandlung.
Weitere Regeln
- Strengere Tierhaltungsbedingungen als EU-Bio-Standard
- Ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz inklusive sozialer Kriterien
- Konsequente Rückverfolgbarkeit und unabhängige Kontrollen
Wie unterscheiden sich Naturland, Bioland und Demeter?
In Deutschland prägen drei große Anbauverbände den Biomarkt: Naturland, Bioland und Demeter. Alle verteilen ihre eigenen Siegel mit individuellen Schwerpunkten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie über die EU-Vorgaben hinausgehen, sich aber in ihrer Philosophie unterscheiden.
Naturland kombiniert ökologische, soziale und faire Kriterien. Der Verband formuliert ökologische, soziale und faire Kriterien zugleich. Bioland konzentriert sich stärker auf den ökologischen Landbau in Deutschland und die Erhaltung geschlossener Betriebskreisläufe.
Demeter basiert auf der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, einer anthroposophischen Anbauweise mit besonderen Anforderungen an die Hoforganisation.

Welche Kriterien gelten für das Tierwohl?
Tierwohl ist ein zentrales Element der Naturland-Standards. Tiere sollen ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechend leben können. Das beginnt beim Stallplatz: Kühe, Schweine und Geflügel haben bei Naturland deutlich mehr Platz und Auslauf als im gesetzlichen Bio-Standard.
Tierwohl
Futter muss biozertifiziert sein. Mindestens 50 Prozent des Futters stammen vom eigenen Betrieb oder einer Naturland-Kooperation. Antibiotika dürfen nur im Krankheitsfall verabreicht werden.
Eingriffe wie Enthornen oder Kupieren sind weitgehend verboten oder nur ausnahmsweise erlaubt. Ziel ist eine tiergerechte Haltung, die Gesundheit und Verhalten respektiert.
Kriterien
- Mehr Platz, Auslauf und Beschäftigungsmaterial
- Naturland begrenzt Tierbestände über flächengebundene Tierhaltung
- Tiergerechte Zucht statt reiner Leistungsselektion
Wie kontrolliert Naturland die Einhaltung seiner Standards?
Die Einhaltung der Richtlinien wird regelmäßig überprüft. Zuständig für die Vergabe und Kontrolle des Zeichens ist die Naturland Zeichen GmbH. Sie beauftragt unabhängige, staatlich anerkannte Kontrollstellen, die jährlich Audits in den Betrieben durchführen.
Dabei werden Produktionsmethoden, Tierhaltung, Lagerung und Verarbeitung überprüft. Bei Verstößen folgen Auflagen oder der Entzug der Zertifizierung.
Was steckt hinter dem Zusatzsiegel „Naturland Fair“?
„Naturland Fair“ ist eine Erweiterung des Standards, die ökologische mit sozialen und ökonomischen Kriterien verbindet. Das Zusatzsiegel garantiert faire Arbeitsbedingungen, langfristige Partnerschaften und gerechte Preise für Erzeuger – sowohl in Deutschland als auch in Ländern des globalen Südens.
Sind Naturlandprodukte teurer – und lohnt sich der Preis?
Produkte mit Naturland-Siegel liegen preislich oft etwas über dem EU-Bio-Durchschnitt. Grund dafür sind die höheren Ansprüche in Tierhaltung, Ökologie und Fairness.
Die strengeren Vorgaben kosten in der Produktion mehr, der Mehrwert spiegelt sich im Preis wider.
Gibt es Kritik an Naturland?
Ein Teil der Naturland-zertifizierten Hirse stammt laut B“ayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt“ aus China, da die gestiegene Nachfrage derzeit nicht aus heimischem Anbau gedeckt werden kann. Labortests hatten Unregelmäßigkeiten vermutet.
Naturland hält die dafür genutzte Isotopenanalyse für ungeeignet, um Bio-Qualität sicher zu beurteilen. Der Verband will die Vorwürfe prüfen und gleichzeitig den Hirseanbau in Deutschland und Österreich ausbauen, um Importe langfristig zu verringern.
Verwendete Quellen
- Naturland Verband e.V.
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
- Bioland e.V., Demeter e.V.
- Verbraucherzentrale –
- Ökotest und Stiftung Warentest
- Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
Transparenzhinweis
Es besteht keine Kooperation mit Naturland. Dieser Artikel dient der reinen Information.
