Wie gut ist unser Fisch im Supermarkt? Eine neue Untersuchung von WWF gibt Verbrauchern Aufschluss.
Das Ergebnis: Der WWF sieht bei Kabeljau/Dorsch in seinem Report viele Produkte kritisch. Edeka hält für zwei konkrete GUT&GÜNSTIG-Produkte dagegen. REWE bestätigt Kabeljau im Sortiment, nennt aber keine Produktliste.
Es geht um Fanggebiet, Fanggerät und Bestand. Drei Angaben, die im Einkauf selten groß schreien. Oft stehen sie klein hinten. Manchmal verstecken sie sich hinter einem QR-Code.
WWF untersucht Fisch im Supermarkt
Der WWF hat für den Report Fisch mit Haken Fisch- und Meeresfrüchteprodukte in 28 Filialen geprüft. Insgesamt waren demnach 22 Prozent rot bewertet.
Beim Kabeljau/Dorsch waren sogar rund drei Viertel kritisch.
Alarm für deutsche Verbraucher!
Auf Anfrage von supermarkt-nachrichten.de sagt der WWF: „In unserer Erhebung waren 3 von 4 Kabeljauprodukten rot bewertet. Der Handel muss sich hier verbessern.“
Heißt das: Jeder Kabeljau ist tabu?
Nein!
Die WWF-Untersuchung ist eine Momentaufnahme. Sie zeigt nicht, was heute in jeder einzelnen Filiale liegt.
Aber sie ist auch kein kleines Warnlämpchen am Rand. Erfasst wurden 1.519 Produkte im Detail, rund 3.900 Produkte zählte man in den besuchten Märkten gezählt.
„Der Kabeljau gerät zunehmend unter Druck“
Der WWF schreibt: „Der Kabeljau bzw. Dorsch gerät leider zunehmend unter Druck.“ Ausgerechnet unser Kontinent sei besonders betroffen. „In Europa sind alle Fanggebiete bis auf Island im roten Bereich.“
Der Grund: Grundschleppnetze werden über den Meeresboden gezogen. Der WWF kritisiert sie, weil sie den Boden schädigen und Beifang verursachen können.
Island plus Langleine: Darauf sollen Käufer achten
Der konkrete WWF-Rat lautet: „Beim isländischen Kabeljau sollte man darauf achten, dass er mit Langleinen anstelle von Grundschleppnetzen gefangen wurde.“ Auch bei pazifischem Kabeljau nennt der WWF die Langleine als bevorzugtes Fanggerät.
Reichen Fischsiegel?
Leider nur bedingt.
Der WWF schreibt im Report, 95 Prozent der Produkte hätten ausreichende Mindestangaben. Für eine belastbare Nachhaltigkeitseinordnung fehlten aber oft Details wie Subfanggebiete, Bestände oder genaue Fanggeräte.
Edeka reagiet auf WWF-Fischtest
Edeka reagierte auf eine Anfrage von supermarkt-nachrichten.de und widerspricht den Vorwürfen von WWF.
Nach Edeka-Angaben stammt der Kabeljau für die Dorschleber aus dem Nordostatlantik rund um Island. Dort würden Haken und Langleinen oder Wadennetze eingesetzt. Der pazifische Kabeljau werde unter anderem in der westlichen und östlichen Beringsee hauptsächlich mit Langleinen gefangen.
Edeka schreibt: „Keine unserer genannten Kabeljau-/Dorsch-Produkte fallen in den roten Bereich des WWF Fischratgebers.“
Der Händler ergänzt: „Grundsätzlich verfolgt EDEKA das Ziel, kritische Produkte zu ersetzen bzw. gar nicht erst dauerhaft im Sortiment zu führen.“
Edeka: QR-Codes sollen zu Fanggebiet führen
Laut Edeka tragen die genannten Kabeljau-Produkte das MSC-Siegel. Auf den Verpackungen sollen QR-Codes zu Fanggebiet und Fangmethode führen.
Edeka formuliert es so: „Diese Maßnahmen sollen es Kund:innen ermöglichen, Herkunft und Nachhaltigkeit der Produkte besser zu verstehen und bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.“
Auch REWE äußert sich zum WWF-Report
„REWE hat Kabeljau in der Bedienungstheke und als Tiefkühlprodukt“, antwortete der Konzern auf unsere Presseanfrage.
Man halte sich an eine eine Positivliste und habe eine eigene Fisch-Leitlinie.
Wie können Verbraucher Fisch im Supermarkt untersuchen?
Verbraucher können das Fanggebiet des Fisches sowie die Fangmethode recherchieren. Falls möglich, unbedingt einen QR-Code scannen.
Alternativ ist es auch möglich, an der Fischtheke nachzufragen.
Verwendete Quellen
- WWF Deutschland: Report Fisch mit Haken
- Presseantwort von WWF Deutschland an supermarkt-nachrichten.de vom 1. Juni 2026
- Presseantwort von REWE an supermarkt-nachrichten.de vom 3. Juni 2026
- Presseantwort von Edeka an supermarkt-nachrichten.de vom 4. Juni 2026
