Magnesium verspricht oft schnelle Hilfe für Muskeln, Sport und Alltag. Doch genau bei solchen Präparaten sieht ÖKO-TEST ein Problem: Viele Produkte sind nach Auffassung der Tester zu hoch dosiert.
Im aktuellen Test vom 28. Mai 2026 untersuchte ÖKO-TEST 28 Magnesiumpräparate aus Apotheken, Drogeriemärkten, Supermärkten, Onlineshops und Discountern. Das Ergebnis: Jedes zweite Produkt ist laut ÖKO-TEST überdosiert. Besonders auffällig sind drei Präparate mit 400 Milligramm Magnesium pro höchster empfohlener Tagesdosis.
ÖKO-TEST nennt 400 mg bei Doppelherz, Tetesept und Dr. Loges
Nach Angaben von ÖKO-TEST überschreiten die Produkte von Doppelherz, Tetesept und Dr. Loges die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Höchstmenge am stärksten. Genannt werden 400 Milligramm Magnesium pro höchster empfohlener Tagesdosis.
In den Testdaten stehen unter anderem Doppelherz Pure Magnesium 400, Tetesept Magnesium 400 hochdosiert und Dr. Loges Magnesium-Loges vario 100 mg. Bei Dr. Loges bezieht sich die 400-mg-Angabe auf die höchste empfohlene Tagesdosis, nicht auf eine einzelne Kapsel.
Der Maßstab von ÖKO-TEST ist die BfR-Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel. Sie liegt bei 250 Milligramm Magnesium pro Tag.
Warum 250 mg bei Magnesiumpräparaten wichtig sind
ÖKO-TEST schreibt auf Anfrage von supermarkt-nachrichten.de, man orientiere sich bei der Bewertung an der Höchstmengenempfehlung des BfR von 250 Milligramm Magnesium pro Tag.
Der Grund: „Zusätzlich bemängeln wir es, wenn eine maximale Tagesdosis von mehr als 250 Milligramm auch noch in einer einzelnen Tablette oder Kapsel steckt, weil so Verbraucher keine praktikable Möglichkeit haben, ein solches Produkt niedriger zu dosieren.“
Das heißt nicht automatisch, dass jede Einnahme oberhalb von 250 Milligramm sofort problematisch sein muss. Der Punkt ist aber: Nahrungsergänzungsmittel kommen zusätzlich zur normalen Ernährung.
Schon 300 mg Magnesium können laut BfR Durchfall auslösen
Zu möglichen Beschwerden schreibt ÖKO-TEST: „Schon die Einnahme von 300 Milligramm Magnesium pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel kann laut BfR bei manchen Erwachsenen zu Durchfall führen. Bei stärkeren Überschreitungen drohen Übelkeit, Erbrechen oder sogar kardiovaskuläre Symptome.“
Gerade deshalb ist die Dosierung für Käufer relevant. Auf der Packung stehen oft Muskel, Energie oder Sport im Vordergrund. Die mögliche Belastung durch eine hohe Zusatzmenge ist weniger auffällig.
Eine Stellungnahme der genannten Anbieter liegt supermarkt-nachrichten.de zu diesem Entwurf nicht vor. Hersteller haben nicht innerhalb von unserer Frist geantwortet.
Werbung mit Muskeln bedeutet nicht, dass Käufer Magnesium brauchen
Viele Packungen werben mit sogenannten Health Claims. Das sind gesundheitsbezogene Aussagen, die unter bestimmten Bedingungen erlaubt sind. Ein häufiger erlaubter Satz lautet laut ÖKO-TEST: „Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“.
ÖKO-TEST betont aber, dass solche erlaubten Aussagen nicht bedeuten, dass gesunde Erwachsene Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollten. Dazu heißt es in der Antwort: „Für gesunde Erwachsene halten wir die Einnahme von Magnesium in Form eines Nahrungsergänzungsmittel in aller Regel für unnötig, weil es für sie überhaupt kein Problem sein sollte, ausreichend Magnesium aus normalen Lebensmitteln aufzunehmen.“
Kritisch sieht ÖKO-TEST zudem nicht zugelassene oder falsch formulierte Gesundheitsversprechen. Als Beispiele nennt das Testmedium Aussagen, die einen Erhalt gesunder Knochen und Zähne versprechen, statt beim zugelassenen Wortlaut zur normalen Erhaltung von Knochen und Zähnen zu bleiben. Auch Werbesätze, nach denen Magnesium entspannend auf die Muskulatur wirke, sieht ÖKO-TEST kritisch.
Gesunde Erwachsene kommen meist über Lebensmittel an Magnesium
Magnesium steckt nicht nur in Kapseln und Brausetabletten. ÖKO-TEST verweist auf viele Alltagslebensmittel: grünes Blattgemüse, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Fisch, Milch, Mineralwasser, Pflanzendrinks oder veganer Joghurt.
Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene Referenzwerte im Bereich von 300 bis 350 Milligramm pro Tag. Nach Darstellung von ÖKO-TEST lässt sich diese Menge mit normalen Mahlzeiten erreichen, etwa mit Vollkornbrot, Ei, Kartoffeln, Spinat und Mineralwasser oder mit Haferflocken, Banane, Sojajoghurt und Kernen.
Für Käufer ist deshalb nicht nur die Milligrammzahl auf der Dose wichtig. Entscheidend ist auch die Frage, ob überhaupt ein Bedarf besteht.
Warnhinweise fehlen aus Sicht von ÖKO-TEST teilweise
ÖKO-TEST sieht nach dem Test auch Handlungsbedarf bei Herstellern. Das Testmedium formuliert die Forderung so: „Aus unserer Sicht ist ganz klar: Die Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel sollten sich bei der Dosierung ihrer Vitamin- und Mineralstoffprodukt zur Sicherheit der Verbraucher an den Empfehlungen für Höchstmengen des BfR orientieren.“
Außerdem fordert ÖKO-TEST verbindliche EU-Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Solche einheitlichen Grenzwerte gibt es für viele Produkte bislang nicht.
Auf den Verpackungen hält ÖKO-TEST bestimmte Hinweise für sinnvoll. Aus Sicht des Testmediums sollten Käufer unter anderem erkennen können, dass ein Präparat abführend wirken kann. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion und Menschen, die Arzneimittel einnehmen, sollten nach Auffassung von ÖKO-TEST vor der Einnahme Rücksprache mit dem Arzt halten.
Verwendete Quellen
- ÖKO-TEST: Magnesiumpräparate im Test
- BfR-Höchstmengenvorschläge für Nahrungsergänzungsmittel
- Antwort von ÖKO-TEST an supermarkt-nachrichten.de
Transparenzhinweis
Dieser Artikel wurde bestmöglich recherchiert und beruht auf einer exklusiven Einschätzung der Experten von ÖKOTEST.
