ChatGPT als Einkaufsberater: Erst 4 Prozent nutzen es. Aber die Zahl wächst.

18. Juni 2026

Von: Dirk Veit

Eine Frau mit Handy im Supermarkt (KI-generiertes Symbolbild)

4 Prozent der Deutschen lassen sich beim Lebensmitteleinkauf von KI-Sprachmodellen helfen. Klingt wenig. Ist für ein Verhalten, das es vor drei Jahren noch nicht gab, bemerkenswert viel. Das zeigt eine neue Studie von KPMG, in der 2.000 Konsumenten repräsentativ befragt wurden.

Was zeigt die Studie zu KI?

4 Prozent der Befragten geben an, Empfehlungen von KI-Sprachmodellen bei der Einkaufsplanung zu nutzen. Als alleinige Planungsmethode sind es ebenfalls 4 Prozent, die KI-Sprachmodelle als primäres Einkaufsvorbereitungstool nennen.

KI ist weit entfernt vom Mainstream. Zum Vergleich: Die besten Supermarkt-Apps liegen in einer ganz anderen Nutzungsdimension. Der Kontext macht die Zahl jedoch interessanter.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands nutzen 65 Prozent der Deutschen KI-Tools wie ChatGPT überhaupt für irgendeinen Zweck. Das Bayern Institut für Digitales (bidt) kommt für 2025 auf 44 Prozent regelmäßige Nutzer generativer KI. Von dieser breiten Basis landen erst 4 Prozent beim konkreten Einsatz im Lebensmitteleinkauf. Der Kanal ist bekannt. Die Anwendung ist noch nicht alltäglich.

Wer nutzt KI beim Einkauf?

Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind aufschlussreich. Bei den 18- bis 33-Jährigen liegt die KI-Nutzung bei 6 Prozent. In städtischen Wohnlagen bei 5 Prozent. Auf dem Land: nur 1 Prozent.

Das Muster ist bekannt. Neue digitale Verhaltensweisen beginnen bei jüngeren, urbanen Konsumenten. Ob sie sich in der Breite durchsetzen, entscheidet sich in der Regel fünf bis zehn Jahre später.

Was sagen die Zahlen zur Einkaufsplanung insgesamt?

Die meisten Deutschen planen ihren Einkauf weiterhin analog oder mit einfachen digitalen Mitteln.

36 Prozent nutzen eine traditionelle Einkaufsliste aus Papier. Das ist mehr als 2025, wo der Wert bei 32 Prozent lag. Die Papierliste macht ein Comeback – mehr zur Einkaufsplanung der Deutschen.

27 Prozent nutzen eine Einkaufslisten-App. 20 Prozent haben nur einen groben Plan im Kopf. Nur 4 Prozent sind vollständig spontan unterwegs.

KI ist in diesem Gefüge derzeit Randerscheinung, aber die einzige Kategorie mit klarem Aufwärtstrend bei der relevantesten Zielgruppe.

Warum ist 4 Prozent trotzdem relevant?

Weil es eine neue Verhaltenskategorie ist. Vor zwei Jahren existierte diese Frage im Barometer noch nicht. Heute liefert sie messbare Werte.

Die Studie formuliert es vorsichtig: Erste Entwicklungstendenzen bei jüngeren und urbanen Befragten sind erkennbar. Insgesamt bleibt der Einfluss gering.

Aber: Social Media beim Lebensmitteleinkauf liegt bei 26 Prozent und gilt als etablierter Kanal. Auch dieser Wert dürfte vor zehn Jahren einstellig gewesen sein.

Was bedeutet das für den Handel?

Noch nichts Konkretes. Aber die Frage, welche Produkte KI-Sprachmodelle bei Anfragen zu Rezepten, Ernährung oder Wocheneinkauf empfehlen, wird für Hersteller und Händler früher relevant werden als erwartet.

Wer in KI-Trainingsdaten und Suchergebnissen sichtbar ist, hat einen Vorteil, wenn dieser Kanal wächst. Die Studie liefert den ersten messbaren Beleg dafür, dass dieser Kanal existiert.

Welche Informationsquellen dominieren stattdessen?

App-Coupons führen mit 69 Prozent deutlich. Physischer Handzettel: 53 Prozent. Aktionshinweise direkt im Laden: 54 Prozent. Empfehlungen von Freunden und Familie: 45 Prozent.

KI liegt bei 4 Prozent und damit gleichauf mit dem vollständig spontanen Einkauf ohne jede Vorbereitung. Beide sind Randphänomene. Der Unterschied: Der spontane Einkauf wird nicht wachsen. Die KI-Nutzung schon.

Was kommt als nächstes?

Die Studie gibt keine Prognose. Aber die Richtung ist erkennbar. Jede neue Planungsmethode hat klein angefangen. App-Coupons waren 2020 noch kein Massenphänomen. Heute nutzen sie fast 70 Prozent.

Ob KI-Sprachmodelle eine ähnliche Kurve nehmen, hängt davon ab, wie schnell sie im Alltag nützlicher werden als Papierliste und App. Noch sind sie das nicht. Aber 4 Prozent bei einer Methode, die es vor drei Jahren noch nicht gab, ist kein schlechter Anfang.

Zum Vergleich: Laut Bitkom Research lag der Anteil der KI-Nutzer in Deutschland 2023 noch bei 37 Prozent. Zwei Jahre später sind es 65 Prozent. Die Kurve zeigt nach oben. Die Frage für den Handel ist nicht ob, sondern wann.

Verwendete Quellen

  • KPMG Consumer Barometer 2/26, KPMG AG / EHI Retail Institute, 2026: Was für Konsumenten beim Lebensmittelkauf wirklich zählt
  • Forsa/TÜV-Verband, KI-Nutzung Deutschland 2025 (65 Prozent), zit. nach Springer Professional
  • bidt-Digitalbarometer 2025, generative KI-Nutzung