Im Streit um Bananen rückt Oxfam ausgerechnet Edeka in den Mittelpunkt. Die Organisation erklärt auf Anfrage: „Edeka schneidet in unterschiedlichen Bereichen im Vergleich zu den anderen großen Supermärkten schlechter ab.“
Gemeint sind Löhne auf Plantagen, fehlende Transparenz und der Umgang mit Gewerkschaften. Edeka widerspricht in seiner Stellungnahme deutlich.
Warum kritisiert Oxfam Edeka bei Bananen-Löhnen?
Beim Thema Bezahlung formuliert Oxfam den Vorwurf besonders scharf: „Existenzsichernde Löhne spielen keine Rolle: Als einziger großer deutscher Supermarkt hat Edeka keine konkreten Ziele, wann und wie Bananenarbeiter*innen angemessen bezahlt werden sollen.“
Aus Sicht der Organisation fehlt damit ein verbindlicher Fahrplan. Edeka müsse öffentlich ankündigen, bis wann in den eigenen Bananenlieferketten existenzsichernde Löhne erreicht werden sollen.
Wie reagiert Edeka auf die Vorwürfe?
Edeka lässt die Kritik nicht stehen. In der Stellungnahme heißt es: „Die Vorwürfe von Oxfam gegen EDEKA weisen wir klar und deutlich zurück.“
Der Konzern geht noch weiter und erklärt: „Die Darstellung, EDEKA verweigere sich Schritten hin zu existenzsichernden Löhnen entspricht nicht den Tatsachen und zeichnet ein falsches Bild unseres langjährigen Engagements, insbesondere im Bananensektor. Existenzsichernde Löhne sind bei EDEKA ausdrücklich als Menschenrecht anerkannt und fest in unserem Verhaltenskodex sowie in der unternehmensweiten Leitlinie zu existenzsichernden Löhnen und Einkommen verankert“, so Edeka.
Edeka widerspricht Oxfam
Edeka ergänzt: „Diese Grundsätze gelten für alle Lieferketten. Unsere Geschäftspartner sind verpflichtet, gesetzliche und – wo vorhanden – tarifliche Lohnregelungen einzuhalten. In Ländern ohne entsprechenden Rechtsrahmen erwarten wir, dass Löhne bei regulärer Vollzeitarbeit zur Deckung grundlegender Lebenshaltungskosten beitragen. Unzulässige Lohnabzüge oder Diskriminierung tolerieren wir nicht.“
Außerdem heißt es: „In unseren Hauptbezugsländern für Bananen werden bereits existenzsichernde Löhne gezahlt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Begriff „existenzsichernde Löhne“ ein komplexes und dynamisches Konzept ist, das stets an nationale und regionale Rahmenbedingungen angepasst werden muss. In Ecuador, einem unserer wichtigsten Herkunftsländer, sind existenzsichernde Löhne bereits gesichert. In Kolumbien begleiten wir die Lohnentwicklung seit Jahren im engen Austausch mit unseren Projektpartnern; die Situation hat sich dort kontinuierlich verbessert.“
Was wirft Oxfam Edeka bei der Transparenz vor?
Neben den Löhnen geht es um die Frage, woher die Bananen tatsächlich stammen. Oxfam kritisiert: „Edeka ist intransparenter: Edeka veröffentlicht im Vergleich zu anderen Supermärkten keine Lieferantenlisten (Lieferant, Plantage usw.) Die Kund*innen bleiben so völlig im Unklaren, woher die Bananen im Laden überhaupt kommen.“
Damit verbindet Oxfam den Lohnstreit mit einer Transparenzfrage: Ohne Lieferlisten bleibe die Herkunft der Bananen für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nachvollziehbar.
Warum sind Plantagenlisten bei Bananen wichtig?
Oxfam begründet die Forderung nach Lieferlisten mit der Arbeit vor Ort. In der Antwort heißt es: „Unsere Partnerorganisationen nutzen diese Informationen beispielsweise, um Supermärkte und Produzenten auf Rechtsverletzungen aufmerksam zu machen.“
Die Organisation sieht darin eine Voraussetzung für konkrete Verbesserungen. Oxfam schreibt: „Nur so können Verbesserungen vorangetrieben werden. Das ist bei Edeka nicht möglich, da schlichtweg die notwendigen Informationen fehlen.“
Was müsste Edeka aus Oxfam-Sicht jetzt tun?
Für einen glaubwürdigen Kurswechsel reicht aus Sicht von Oxfam kein allgemeines Bekenntnis. Die Organisation fordert: „Edeka muss öffentlich ankündigen, bis wann sie für existenzsichernde Löhne in den eigenen Bananenlieferketten sorgen wollen.“
Als möglichen Schritt nennt Oxfam den Beitritt zu einer Brancheninitiative. In der Antwort heißt es: „Dafür sollte Edeka beispielsweise Sektorinitiativen wie der SASI-Initiative beitreten (dort sind bereits andere Supermärkte Teil).“
Was sagt Edeka zu eigenen Regeln?
Edeka hält dagegen, dass existenzsichernde Löhne im Unternehmen ausdrücklich verankert seien. Der Konzern erklärt: „Existenzsichernde Löhne sind bei EDEKA ausdrücklich als Menschenrecht anerkannt und fest in unserem Verhaltenskodex sowie in der unternehmensweiten Leitlinie zu existenzsichernden Löhnen und Einkommen verankert (Link siehe unten).“
Nach Edeka-Angaben gelten diese Grundsätze für alle Lieferketten. In der Stellungnahme heißt es: „Unsere Geschäftspartner sind verpflichtet, gesetzliche und – wo vorhanden – tarifliche Lohnregelungen einzuhalten.“
Wie beschreibt Oxfam die Lage auf den Plantagen?
Oxfam verweist auf Befragungen und die Arbeit mit Partnergewerkschaften in Ecuador und Costa Rica. Die Organisation erklärt: „Die Situation für viele Arbeiter*innen auf Bananenplantagen ist weiterhin schlecht und es herrscht ein System der Ausbeutung.“
Besonders betroffen seien nach Oxfam-Angaben Arbeiter*innen ohne festen Arbeitsvertrag. Oxfam schreibt: „Das betrifft v.a. Arbeiter*innen, die informell und ohne festen Arbeitsvertrag als Tagelöhner*innen arbeiten.“
Was entgegnet Edeka bei den Herkunftsländern?
Edeka widerspricht auch bei der Bewertung der Löhne in den wichtigsten Herkunftsländern. In der Stellungnahme heißt es: „In unseren Hauptbezugsländern für Bananen werden bereits existenzsichernde Löhne gezahlt.“
Für Ecuador sieht Edeka die Lage bereits geklärt. Der Konzern erklärt: „In Ecuador, einem unserer wichtigsten Herkunftsländer, sind existenzsichernde Löhne bereits gesichert.“
Warum widerspricht Oxfam bei Ecuador?
Gerade diese Darstellung hält Oxfam für falsch. Zur Behauptung, in den Hauptproduktionsländern würden bereits existenzsichernde Löhne gezahlt, schreibt die Organisation: „Das ist aus unserer Sicht eine Falschdarstellung.“
Oxfam verweist auf die Lage in Ecuador. Die Organisation erklärt: „Beispielsweise ist in Ecuador die offizielle Lohnlücke zwischen Mindestlöhnen und existenzsichernden Löhnen zwar vergleichsweise gering, doch unsere Partnergewerkschaft ASTAC dokumentiert regelmäßig informelle Arbeit und unbezahlte Überstunden.“
Welche Rolle sollen Gewerkschaften spielen?
Oxfam will Gewerkschaften nicht erst am Ende einbinden. Die Organisation schreibt: „Gewerkschaften sollten im gesamten Prozess einbezogen werden.“
Das gelte bereits bei der Erfassung tatsächlich gezahlter Löhne. Oxfam begründet das so: „Fragt man aber die Arbeiter*innen direkt und in Anwesenheit der Gewerkschaften, trauen sich Arbeiter*innen ehrlicher, die tatsächlichen Löhne zu berichten.“
Was bedeutet der Streit für Kundinnen und Kunden?
Oxfam warnt davor, die Verantwortung allein an der Supermarktkasse abzuladen. Die Organisation schreibt: „Die Macht und der Einfluss von Verbraucher*innen ist begrenzt.“
Der wirksame Hebel liege aus Sicht von Oxfam bei Konzernen und Politik. Oxfam erklärt: „Mittlerweile dominieren vier große Supermarktketten in Deutschland fast 88 Prozent des Marktes.“
Verwendete Quellen
- Oxfam Deutschland: Gerechte Löhne auf der Bananenplantage?
- Antworten von Edeka und Oxfam auf Presseanfragen von supermarkt-nachrichten.de
