Honig im Supermarkt: Was sich ab Juni ändert

17. April 2026

Von: Moritz Serif

Biohonig im Supermarkt
So erkennen Sie Qualitätshonig im Supermarkt (Symbolfoto/Nano Banana Pro.)

Honig gehört seit Jahren zu den Lebensmitteln mit hohem Betrugsrisiko.

Darauf weisen EU-Kontrollen, Medienrecherchen und der Streit über geeignete Labormethoden hin.

Ab dem 14. Juni 2026 ändern sich die Etiketten im Handel. Das schafft mehr Transparenz. Einen schnellen Schlussstrich unter das Thema zieht die neue Kennzeichnung aber nicht.

Was die EU tatsächlich bei Honig im Supermarkt festgestellt hat

Die 46-Prozent-Zahl bezieht sich auf Importsendungen

Die EU-Kommission koordinierte zwischen 2021 und 2022 die Aktion „From the Hives“. Behörden nahmen zwischen November 2021 und Februar 2022 an EU-Außengrenzen 320 importierte Honigsendungen aus 20 Herkunftsländern unter die Lupe.

Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU, das Joint Research Centre, stufte 147 dieser Proben als verdächtig ein. Das entsprach 46 Prozent. Diese Zahl beschreibt damit auffällige Importsendungen in einem begrenzten Zeitraum.

Welche Methoden die EU einsetzte

Das Joint Research Centre arbeitete mit mehreren Verfahren. Zum Einsatz kamen EA/LC-IRMS, HPAEC-PAD und 1H-NMR.

Warum die EU von Betrugsrisiken beim Honig spricht

Die Kommission beließ es nicht bei den Laborwerten. Sie verfolgte auch die Lieferketten.

Von 123 kontrollierten Exporteuren standen 70 mit verdächtigen Sendungen in Verbindung.

Von 95 Importeuren betraf das 63 Unternehmen. Bis zur Veröffentlichung hatten Behörden und OLAF 44 EU-Unternehmen näher untersucht. Sieben Sanktionen wurden gemeldet.

Die EU nannte dabei mehrere Muster: die Streckung mit Zuckersirup, die Anpassung von Mischungen an bekannte Prüfverfahren, die Verfälschung botanischer Angaben und die Verschleierung der Herkunft.

Was das für Deutschland bedeutet

Deutschland bleibt ein Importmarkt

Deutschland deckt seinen Honigbedarf seit Jahren nicht allein aus eigener Erzeugung.Nach vorläufigen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft importierte Deutschland 2024 rund 72.600 Tonnen Honig. Für 2025 meldete das Ministerium vorläufig rund 67.700 Tonnen.

Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählten 2024 die Ukraine, Argentinien, Rumänien und Mexiko. Für 2025 nannte das Ministerium vorläufig Argentinien, die Ukraine, Chile und Mexiko.

Was sich daraus ableiten lässt

Die EU-Untersuchung liefert keinen Beweis gegen jede einzelne Marke in deutschen Supermarktregalen. Sie zeigt aber, dass Deutschland Teil eines Marktes ist, in den große Mengen Importhonig fließen und in dem die EU erhebliche Auffälligkeiten bei Importsendungen festgestellt hat.

Warum die Honigdebatte nicht beendet ist

Was ZDF „frontal“ untersucht hat

Das ZDF-Magazin „frontal“ ließ Ende 2024 Honigproben von Handelsmarken großer Einzelhändler sowie von Langnese in Estland und Österreich per DNA-Methode prüfen. Die beteiligten Wissenschaftler bewerteten viele Befunde als auffällig.

Das ZDF selbst wies zugleich darauf hin, dass die Methode damals neu war und noch keine offizielle Akkreditierung hatte.

Wie Handel und Hersteller reagierten

Mehrere Händler und Hersteller widersprachen den Schlussfolgerungen. Sie verwiesen auf eigene oder von Lieferanten beauftragte Authentizitätsprüfungen ohne Auffälligkeiten.

Der ZDF-Befund bleibt damit ein ernstes Warnsignal. Einen abschließenden Nachweis für jede einzelne Marke liefert diese Recherche noch nicht.

Was Stiftung Warentest 2025 fand

Stiftung Warentest prüfte im März 2025 insgesamt 24 Blütenhonige. Im Test standen Markenprodukte, Bio-Honige, DIB-gekennzeichnete deutsche Honige und Eigenmarken des Handels.

Das Ergebnis lautete: 14 Produkte erhielten die Note „gut“. Hinweise auf Verfälschungen fand Stiftung Warentest in keinem der 24 Honige. Die Tester setzten dafür unter anderem hochauflösende Massenspektrometrie, Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie und Pollenanalysen ein.

Warum Imkerverbände den Test kritisierten

Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund kritisierte die Methodenauswahl. Der Verband vermisste vor allem DNA-Analysen und HPAEC-PAD.

Der Deutsche Imkerbund formulierte die Kritik vorsichtiger, verwies aber ebenfalls auf offene Methodenfragen und den laufenden Entwicklungsstand neuer Verfahren. Damit bleibt der zentrale Streitpunkt bestehen: Welche Methode erkennt moderne Honigverfälschungen zuverlässig genug für den amtlichen und gerichtsfesten Nachweis?

Was sich ab dem 14. Juni 2026 ändert

Was an diesem Datum gilt

Die geänderte EU-Honigrichtlinie trat bereits am 13. Juni 2024 in Kraft. Die neuen Kennzeichnungsvorgaben greifen aber erst ab dem 14. Juni 2026. Deutschland passte die Honigverordnung im November 2025 an. Die relevanten Änderungen gelten ebenfalls ab dem 14. Juni 2026.

Was dann auf dem Etikett stehen muss

Bei Mischhonigen müssen dann die Ursprungsländer in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils auf dem Etikett stehen.

Die Angaben müssen im Hauptsichtfeld erscheinen. Die bisher übliche Sammelangabe „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ reicht für neu gekennzeichnete Mischhonige dann nicht mehr aus.

Eine Ausnahme gilt für Mischungen mit mehr als vier Ursprungsländern. In diesem Fall darf nationales Recht unter bestimmten Voraussetzungen die Prozentangabe auf die vier größten Anteile beschränken. Für Packungen unter 30 Gramm dürfen Ländercodes nach ISO-Standard die Ländernamen ersetzen.

Was sich nicht sofort ändert

Die neue Kennzeichnung schafft mehr Klarheit über die Herkunft. Sie löst aber das Nachweisproblem nicht sofort.

Die EU-Kommission soll harmonisierte Methoden zur Erkennung verfälschten Honigs erst bis zum 14. Juni 2028 festlegen. Hinzu kommt eine Übergangsregel. Honige, die vor dem 14. Juni 2026 nach altem Recht hergestellt und gekennzeichnet wurden, dürfen bis zum Abverkauf der Bestände im Handel bleiben.

Was Verbraucher aus dem Etikett lesen können

Was als aussagekräftiger gilt

Eine konkrete Herkunftsangabe sagt mehr aus als eine pauschale Mischungskennzeichnung. Das DIB-Glas des Deutschen Imkerbundes steht außerdem für deutsche Herkunft und für strengere verbandseigene Qualitätskriterien als die gesetzlichen Mindeststandards.

Dabei handelt es sich um eine Verbandsmarke, nicht um ein staatliches Siegel.

Was kein sicherer Beleg ist

Ein niedriger Preis beweist keine Verfälschung. Auch eine lange flüssige Konsistenz beweist keinen Sirupzusatz. Robinienhonig und manche Waldhonige bleiben von Natur aus länger flüssig.

Verwendete Quellen

  • EU-Kommission, EU coordinated action „From the Hives“ (Honey 2021–2022)
  • Joint Research Centre, „Food fraud: How genuine is your honey?“, 23. März 2023
  • JRC Technical Report JRC130227, „EU Coordinated action to deter certain fraudulent practices in the honey sector“
  • Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), „(No) sugar for my honey: OLAF investigates honey fraud“, 23. März 2023
  • Richtlinie (EU) 2024/1438
  • Zweite Verordnung zur Änderung der Honigverordnung und anderer lebensmittelrechtlicher Vorschriften, BGBl. 2025 I Nr. 289
  • BMEL-Statistik, Versorgungsbilanz Honig
  • Stiftung Warentest, „Blütenhonig im Test: Discounter-Honige schlagen teure deutsche Produkte“, 27. März 2025
  • Stiftung Warentest, „Blütenhonig im Test: So haben wir getestet“, 27. März 2025
  • ZDF-Presseportal, „ZDF-‚frontal‘: Neuer Test: Supermarkt-Honig nicht echt“, 17. Dezember 2024
  • Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund, Stellungnahme zum Honigtest von Stiftung Warentest, 2. April 2025
  • Deutscher Imkerbund, „Faktencheck DNA-Analysen“, 20. Mai 2025
  • Duden, Sprachratgeber „Das Passiv“
  • Deutsche Journalisten Akademie, Lexikon-Eintrag „Kommentar“
  • Journalistikon, Eintrag „Kommentar“

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