Erst der Vorwurf, dann der Widerspruch, jetzt die nächste Runde: Im Streit um Bananen-Löhne bei Edeka legt Oxfam nach.
supermarkt-nachrichten.de hatte bereits über die Kritik der Organisation und die Stellungnahme von Edeka berichtet. Der Supermarkt erklärte damals: „Die Vorwürfe von Oxfam gegen EDEKA weisen wir klar und deutlich zurück.“
Bananenstreit: Oxfam reagiert auf Edekas Stellungnahme
Edeka hatte außerdem erklärt, die Darstellung, Edeka verweigere sich Schritten hin zu existenzsichernden Löhnen, entspreche „nicht den Tatsachen“.
Oxfam hält an der Kritik fest. Die Organisation erklärt auf Anfrage: „Edeka unternimmt nachweislich und öffentlich nachprüfbar als einziger der großen Supermärkte keine Schritte, um Ausgleichszahlungen zur Schließung der Living Wage-Lohnlücke zu zahlen.“
Zum Vergleich verweist Oxfam auf andere Händler: „Lidl tut dies bereits seit einigen Jahren; Rewe, Aldi und Kaufland seit Ende 2025.“
Auch bei der Transparenz sieht Oxfam Edeka weiter hinten: „Auch in Sachen Transparenz schneidet Edeka am schwächsten ab.“
Edeka: „Leitlinien und Kodizes sind wichtig“
Edeka hatte zuvor betont, existenzsichernde Löhne seien im Verhaltenskodex und in einer unternehmensweiten Leitlinie verankert.
Oxfam hält das für nicht ausreichend. Die Organisation erklärt: „Leitlinien und Kodizes sind wichtig, davon kann sich aber keine unterbezahlter Arbeiter*in Essen, Kleidung oder Schulmaterialien kaufen.“
Entscheidend seien aus Sicht von Oxfam tatsächliche Schritte auf den Plantagen. Die Organisation fordert „konkrete Schritte zur Erfassung und Schließung der Lohnlücke hin zu existenzsichernden Löhnen.“
Auch Edekas Projekt „Boahnane“ kritisiert Oxfam. Nach Darstellung der Organisation seien dort keine existenzsichernden Löhne vorgesehen.
Streitpunkt Ecuador: Oxfam widerspricht Edeka
Besonders deutlich bleibt der Konflikt bei Ecuador. Edeka hatte erklärt: „In Ecuador, einem unserer wichtigsten Herkunftsländer, sind existenzsichernde Löhne bereits gesichert.“
Oxfam teilt diese Einschätzung nicht. Die Organisation schreibt, Edekas Darstellung verkenne, „dass (wie im Fall von Ecuador) ein nahe am Living Wage liegender Mindestlohn noch nicht garantiert, dass diesen auch alle Arbeiter*innen bezahlt bekommen.“
Außerdem kritisiert Oxfam fehlende Belege: „Edeka legt keine Daten vor, die diese Einschätzung für ihre konkreten Lieferanten untermauern könnte.“
Nach Darstellung von Oxfam hätten Partner der Organisation wiederholt Fälle von Unterbezahlung recherchiert, unter anderem durch unbezahlte Überstunden. Unter den untersuchten Farmen seien nach Oxfam-Angaben auch Zulieferer von Edeka.
Oxfam kritisiert unbezahlte Überstunden
Aus Sicht von Oxfam reicht Edekas Hinweis auf Mindestlöhne in Ecuador nicht aus. Die Organisation erklärt: „Die Praxis unbezahlter Überstunden ist in Ecuador so weit verbreitet, dass der pauschale Hinweis auf ein bestimmtes Mindestlohnniveau nicht ausreichen kann.“
Oxfam kritisiert außerdem, Edeka lasse offen, was in anderen Lieferländern passieren solle: „Zudem lässt Edeka offen, was in den Ländern passieren soll, in denen offenkundig keine Living Wages gezahlt werden.“
Die Organisation verweist darauf, dass sich die Maßnahmen anderer Händler breiter bezögen: „Dabei ist zu beachten, dass sich die Maßnahmen von Lidl, Aldi, Rewe und Kaufland auf alle Lieferländer beziehen, und diese Supermärkte detaillierte Erhebungen bei ihren Lieferanten anstellen, statt von einem pauschalen Durchschnitts- oder Mindestlohn auszugehen.“
Beschwerde gegen Edeka beim BAFA
Edeka verweist auf Risikomanagement, Risikoanalysen, Präventions- und Abhilfemaßnahmen sowie ein Beschwerdeverfahren.
Oxfam hält dagegen: „Die Implementierung der erwähnten Maßnahmen sind eine gesetzliche Pflicht großer Unternehmen nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG).“
Entscheidend sei aus Sicht der Organisation die Praxis. Oxfam erklärt: „Wie gut diese in der Praxis funktionieren, ist erst in konkreten Beschwerdefällen bewertbar.“
Einen solchen Fall nennt Oxfam konkret: „Oxfam hat 2023 die Beschwerde von ecuadorianischen Bananenarbeiter*innen an Edeka herangetragen.“
Nach Darstellung der Organisation habe sich der Supermarkt geweigert, „mit den Betroffenen bei der Behebung der Missstände zusammenzuarbeiten.“ Deshalb habe Oxfam die Beschwerde „offiziell beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingereicht.“
Gewerkschaftsrechte in der Bananen-Lieferkette
Auch bei Gewerkschaften sieht Oxfam weiterhin Probleme. Edeka betont, Gewerkschaftsrechte gehörten selbstverständlich zu den Rechten von Arbeitnehmenden.
Oxfam verweist dagegen auf konkrete Vorwürfe aus der Branche: „Gewerkschaftsrechte werden in der Bananenindustrie regelmäßig missachtet.“
Die Organisation beschreibt die Spanne so: „Die Spanne reicht von der Behinderung der Gewerkschaftsarbeit, etwa indem Vertreter*innen die Plantagen nicht betreten dürfen, zu Einschüchterungen, Drohungen und Entlassungen – bis hin zu so genannten schwarzen Listen, auf denen Gewerkschaftsmitglieder auftauchen, welche in der Folge bei mehreren Arbeitgebern keinen Job mehr finden.“
Solche Fälle habe Oxfam nach eigener Darstellung „immer wieder dokumentiert, auch bei Zulieferern von Edeka.“
Was Oxfam jetzt von Edeka fordert
Von einem belastbaren Kurswechsel würde Oxfam erst sprechen, wenn Edeka konkrete Zusagen macht.
Die Organisation fordert: „Edeka müsste sich der Arbeitsgruppe der Einzelhändler in der SASI-Initiative anschließen und deren Commitment mittragen, Ausgleichszahlungen für existenzsichernde Löhne zu zahlen.“
Alternativ könne Edeka laut Oxfam „wie Lidl, ein eigenes Commitment, das darüber hinausgeht, vorlegen.“
Außerdem fordert Oxfam, Edeka müsse „seine Einkaufspraktiken anpassen, um existenzsichernde Löhne auch in der Breite des Sortiments zu ermöglichen, und seine (Bananen-)Lieferketten bis zur Plantage offenlegen.“
In den Beschwerdefällen wäre aus Sicht der Organisation ein Kurswechsel, „wenn Edeka die betroffenen Beschwerdeführer*innen in die Behebung der Missstände einbezöge.“
Verwendete Quellen
- Antworten von Oxfam auf Presseanfrage von supermarkt-nachrichten.de
- Stellungnahme von Edeka auf Presseanfrage von supermarkt-nachrichten.de
- Vorheriger Artikel von supermarkt-nachrichten.de vom 18. Mai 2026: Bananen-Löhne: Oxfam wirft Edeka Ausbeutung auf Plantagen vor – Supermarkt widerspricht
- Oxfam Deutschland: Gerechte Löhne auf der Bananenplantage
