Tchibo legt im Rechtsstreit nach: „Aldi Süd hat seinen Kaffee verramscht“

3. Dezember 2025

Von: Moritz Serif

Die Kaffeeabteilung im Discounter
Tchibo hat Aldi Süd wegen Kaffee verklagt (Symbolfoto/Nano Banana).

Update 3. Dezember, 9.25 Uhr: Tchibo rechnet damit, dass das Berufungsgericht Aldi recht gibt. „Wir bedauern, dass das OLG zu dieser Auffassung neigt“, teilte Andreas Engelmann, stellvertretender Unternehmenssprecher von Tchibo, supermarkt-nachrichten.de mit.

Kaffee-Streit zwischen Tchibo und Aldi: Hat Discounter Ware „verramscht?“

Tchibo betont, dass Verlustverkäufe unter Einkaufs- oder Herstellungskosten dem Wettbewerb schadeten und damit langfristig auch den Verbraucher. „Dabei blieb auch in der zweiten Instanz unstreitig, dass Aldi Süd seinen Kaffee in den fraglichen Aktionen zu Verlustpreisen verkauft hat – oder, wie der Spiegel es formulierte, ‚verramscht‘ hat“, so Tchibo.

„Es kann aus Sicht des Wettbewerbs und der Verbraucher keinen Unterschied machen, ob der Kaffee als Fertigware eingekauft und weiterverkauft oder als Rohkaffee eingekauft, im Konzern geröstet und dann weiterverkauft wird. Alle Verlustverkäufe sollten gleichbehandelt werden“, forderte Tchibo.

Aldi Süd antwortete uns: „Bitte haben Sie Verständnis, dass ALDI SÜD sich zu laufenden Verfahren nicht äußert“.

Tchibo zieht Aldi Süd vor Gericht: Hat der Discounter Preis-Dumping betrieben?

Erstmeldung: Aldi Süd und Tchibo stehen sich erneut vor Gericht gegenüber. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Discounter seinen Kaffee zu günstig verkauft. Der Rechtsstreit zieht sich damit weiter hin – und beschäftigt inzwischen das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Das Verfahren (Aktenzeichen VI-6 U 1/25) dreht sich um die Preise der Aldi-Eigenmarke Barissimo. Nach Ansicht von Tchibo soll der Kaffee regelmäßig unter den Produktionskosten angeboten worden sein.

Der Hamburger Kaffeeröster sieht darin einen Wettbewerbsverstoß und fordert, dem Discounter den Verkauf zu diesen Preisen zu untersagen.

Warum klagt Tchibo gegen Aldi Süd wegen Kaffee?

Seit Ende 2023 beobachtet Tchibo laut eigenen Angaben systematische Niedrigpreise bei Aldi Süd. Pro Kilo Kaffee sollen dabei Verluste von bis zu 3,53 Euro entstanden sein. Betroffen ist die Eigenmarke Barissimo, die von der Aldi-Tochter New Coffee hergestellt wird.

Der Kaffeeröster befürchtet, dass solch aggressive Preispolitik den Wettbewerb verzerrt und langfristig schadet. Schon im Januar hatte Tchibo versucht, rechtlich dagegen vorzugehen – vor dem Landgericht Düsseldorf allerdings ohne Erfolg.

Gemahlener Kaffee auf dem Tisch
Tchibo verklagt Aldi wegen Kaffee (Symbolfoto/Nano Banana).

Wie hatte das Landgericht Düsseldorf im Kaffeestreit entschieden?

Das Landgericht sah in der Preisgestaltung von Aldi Süd keine Verdrängungsabsicht. Die Richter argumentierten, dass niedrige Preise aus kaufmännischer Sicht nachvollziehbar seien. Eine Gefahr für den Wettbewerb sei nicht erkennbar.

Daraufhin legte Tchibo Berufung ein. Das Oberlandesgericht prüft nun den Fall erneut. Eine Entscheidung wird jedoch nicht vor Jahresende erwartet.

Was sagen Experten zum Streit zwischen Aldi Süd und Tchibo um den Kaffeepreis?

Rupprecht Podszun, Kartellrechtler an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, hält den Fall für exemplarisch. Niedrige Preise seien grundsätzlich Ausdruck funktionierenden Wettbewerbs, erklärt er. Problematisch werde es erst, wenn sie gezielt eingesetzt würden, um Konkurrenten zu verdrängen.

Gleichzeitig sieht Podszun eine wachsende Marktmacht des Handels. Große Ketten wie Aldi würden immer stärker eigene Produktionsstrukturen aufbauen und damit Herstellern Konkurrenz machen. Diese Entwicklung verändere die Balance im Lebensmittelmarkt spürbar.

Welche Auswirkungen hat der Kaffeestreit auf Verbraucher?

Für Kundinnen und Kunden stehen günstige Preise im Vordergrund. Doch zugleich steigen die Kosten für Rohkaffee weltweit. Schlechte Ernten und höhere Transportkosten haben die Einkaufspreise spürbar verteuert. Das zwingt viele Röstereien zu Preisanpassungen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist Bohnenkaffee in Deutschland heute rund 58 Prozent teurer als im Jahr 2020. Verbraucher müssen daher mehr bezahlen – unabhängig vom Ergebnis des aktuellen Verfahrens.

Wie kalkulieren Supermärkte bei Produkten wie Kaffee?

Discounter und Supermärkte arbeiten häufig mit Mischkalkulationen. Während sie bei einigen Artikeln hohe Margen erzielen, locken sie mit anderen zu günstigen Preisen. Kaffee, Butter oder Milch gehören zu diesen sogenannten Eckpreisartikeln.

Sie können dazu dienen, Kunden in den Supermarkt oder Discounter zu locken.

Was bedeutet das für den Kaffeemarkt in Deutschland?

Der Streit zwischen Tchibo und Aldi Süd zeigt, wie stark der Markt im Wandel ist. Handelsmarken gewinnen weiter an Bedeutung, während klassische Markenhersteller um ihre Margen kämpfen. Gleichzeitig reagieren Konsumenten empfindlich auf Preisänderungen.

Wie das Gericht am Ende entscheidet, bleibt offen. Klar ist aber: Der Wettbewerb um den günstigsten Kaffee dürfte noch lange anhalten.

Verwendete Quellen